Drogengeschäfte in Schwandorf: Amberger Justiz steht vor Rätsel
"Ich war im Crystal-Rausch"

Nicht weit vom Schwandorfer Amtsgericht entfernt fiel ein Schuss. Zwei Männer stritten sich, "ich stech' dich ab", schrie einer. Doch was passierte wirklich und worum ging es? Trotz größeren Aufwands gelang es der Amberger Justiz nicht, die Zusammenhänge aufzuklären.

Amberg/Schwandorf. (hwo) Merkwürdig, dieser Fall. An einem Vormittag im Juni 2013 kam es zur tätlichen Auseinandersetzung zweier Männer auf offener Straße. Dabei waren Waffen im Spiel: Eine Gaspistole, ein Messer und außerdem ein Staubsaugerrohr. Womöglich ging es um Drogengeschäfte. Doch das ließ sich nun genauso wenig aufhellen wie alle weiteren Hintergründe.

Vor der Amberger Amtsrichterin Verena Bösl saß ein 28-Jähriger. Er sei Auslöser der Schlägerei gewesen, habe auch einen Schuss abgefeuert, hielt ihm Staatsanwältin Daniela Spieß vor. Der Mann konterte: "Eine kleine Meinungsverschiedenheit. Nicht der Rede wert." Und der Schuss? Geräusche solcher Art hatte eine Frau in ihrer nahen Wohnung vernommen und die Polizei alarmiert. "Das", warf der Angeklagte in die Debatte, "ist wohl dadurch entstanden, dass ich mit dem Staubsaugerrohr auf den Boden gehauen habe."

Waffen im Kornfeld

Als Funkstreifenbeamte eintrafen, waren die beiden Streithähne fort. Seltsamerweise waren sie gemeinsam in ein Auto gesprungen und hatten das Weite gesucht. Daraufhin gab es eine Funkfahndung, wurde der Pkw bei Wackersdorf gestellt. Minuten zuvor war der Wagen auf der Steinberger Straße abgebremst und kurz gestoppt worden. Dann flogen eine Pistole und ein Messer aus dem Seitenfenster. Später fanden zwei Polizisten die Waffen in einem Kornfeld. Bei einer ersten Vernehmung auf dem Revier sprachen die Männer von einem eher harmlosen Streit. Am Abend des gleichen Tages aber erschien der seinerzeit attackierte 32-Jährige erneut auf der Wache und schilderte, was ihm widerfahren war: "Ich bin angegriffen und geschlagen worden. Und er hat auch einen Schuss abgegeben."

Im Prozess wollte der Mann jedoch nichts mehr davon wissen und stellte den Wahrheitsgehalt seiner protokollierten Angaben in Abrede. "Ich war damals im Crystal-Rausch", ließ er anklingen. "Nie und nimmer", sagte der ihn seinerzeit vernehmende Polizist. "Könnte es sein, dass Sie Angst haben?", fragte die Staatsanwältin, bekam ein "Nein" zur Antwort und stellte dem Mann ein Verfahren wegen Falschaussage in Aussicht.

Nicht zweifelsfrei geklärt

Was geschah damals tatsächlich? Für Staatsanwältin Spieß bestand kein Zweifel. Sie hielt den Angeklagten der versuchten gefährlichen Körperverletzung und der Bedrohung für überführt. Dafür forderte sie sieben Monate Haft. "Ohne Bewährung", fügte Spieß hinzu und erinnerte die Richterin daran, dass "der Angeklagte schon wegen diverser Gewalttaten vorbestraft ist. "Nichts ist geklärt", beschrieb Verteidiger Alfred Jobst seine Eindrücke und verlangte Freispruch. Dieser Freispruch kam dann auch. "Die Vorgänge sind nicht zweifelsfrei geklärt", unterstrich Richterin Bösl. Danach wurde der 28-Jährige zurück ins Gefängnis geführt. Dort sitzt er schon seit zwei Jahren wegen anderer Straftaten.
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