Druck auf die Politik wächst
Rente, der Wahlkampf-Renner

Immer mehr Rentner sind von Altersarmut bedroht. Archivbild: dpa

Wie sicher ist die Rente? Mit den Sorgen um auskömmliche Bezüge im Alter wächst auch der Druck auf die Politik massiv. Der Kampf gegen Altersarmut dürfte ein wichtiges Wahlkampfthema werden.

Berlin. Angesichts wachsender Sorgen um eine sichere Rente rückt die Politik die Zukunft der Alterssicherung ins Zentrum. Rund eineinhalb Jahre vor der Bundestagswahl kündigt Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ein Gesamtkonzept an. CSU-Chef Horst Seehofer will höhere Renten für breite Schichten. Fast jedem zweiten Rentner droht laut WDR-Berechnungen Altersarmut.

In welche Richtung deuten die politischen Äußerungen?

Die Riester-Rente hat wegen der niedrigen Zinsen immer weniger Freunde. Seehofer sieht sie als gescheitert an. Nahles hält die gesetzliche Rente für ein zentrales Versprechen des Sozialstaats. Immer stärker rückt auch das Rentenniveau in den Blick, das Verhältnis einer standardmäßig angenommenen Rente zum Durchschnittslohn. Unter dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) wurde beschlossen, dass das Niveau bis 2030 auf 43 Prozent absinken kann, ohne dass Regierungen gegensteuern müssen. Anfang des Jahrzehnts lag es bei rund 50, heute bei rund 48 Prozent.

Wie entwickeln sich die Renten-
reserven?


Die Rücklage ist zuletzt auf 32,6 Milliarden Euro gesunken. Die bisher letzte Rentenreform mit Mütterrente und abschlagsfreier Rente ab 63 kostete 2015 rund 9 Milliarden. Eine Verdoppelung des jüngsten Zwei-Milliarden-Euro-Defizits der Rentenversicherung in diesem Jahr würde Fachleute nicht überraschen. Und allmählich kommt die Rentnerrepublik: Die geburtenstarken Jahrgänge ab Mitte der 50er Jahre kommen ins Rentenalter. In rund vier Jahren könnten die flüssigen Mittel der Rentenkasse so weit sinken, dass der Bund aushelfen muss, damit es zur Zahlung der Renten reicht.

Bekommen die Rentner immer
geringere Bezüge?


Nein. Zum 1. Juli steigt die Rente um 4,25 Prozent in den alten Ländern, im Osten um 5,95 Prozent. Bis 2029 soll die Steigerung dann aber nur noch im Schnitt rund 2 Prozent pro Jahr betragen.

Reicht die gesetzliche Rente zum Leben?

Schon heute vielfach nicht. Weniger als 750 Euro Rente pro Monat ausgezahlt bekommen nach jüngsten Zahlen 32 Prozent der Männer und 70 Prozent der Frauen in den alten sowie 17 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen in den neuen Ländern. Das heißt aber nicht, dass die Betroffenen arm sein müssen. Wenn sich etwa eine Ehefrau im westlichen Nachkriegsdeutschland vor allem um Haus und Familie gekümmert hat und dabei wenig Rentenansprüche erworben hat, kann zum Beispiel die Rente des Mannes und das Familienvermögen trotzdem einen guten Lebensstandard bringen.

Wie groß ist das Problem der Altersarmut?

Von 15,5 Millionen Altersrentnern im Inland erhielten zuletzt laut Rentenversicherung 388 000 zusätzlich Grundsicherung.

Wie könnte sich das Problem weiterentwickeln?

Der WDR hat nachgerechnet. Seine Prognose ist alarmierend. Dabei unterstellt der WDR, dass der Anteil an Durchschnittsverdienern, Niederlohnempfängern und anderen gleichbleibt. Als Armutsniveau eines Rentners wird ein Betrag von 840 Euro unterstellt. Ergebnis: Fast jeder zweite Rentner ist 2030 von Altersarmut bedroht. Die Betroffenen hatten zuvor eher niedrige Löhne, waren soloselbssttändig, geringfügig beschäftigt oder Hartz-IV-Bezieher.

Was sagt die Deutsche Rentenversicherung zu der Prognose?

Sie weist sie zurück. Die Rentenhöhe allein sage nichts über das Haushaltseinkommen insgesamt aus. Etwa betriebliche oder private Vorsorge, die Rente des Partners oder weitere Einkommensarten könnten dazukommen. Außerdem erkenne die Rentenversicherung etwa Kindererziehung rentensteigernd an.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.