Duo soll Geräte und Maschinen im Wert von rund 238.000 Euro gestohlen haben
Polizei deckt jahrelange Diebstahlserie auf

Mit diesem Unimog samt Anhänger - beides schon vor Monaten beziehungsweise Jahren gestohlen - gingen die Männer laut Polizei auf Diebestour im Grenzgebiet. (Bild: Polizeipräsidium Oberpfalz)
Schwandorf/Cham/Neustadt/WN. Die Polizei hat in einer grenzüberschreitenden Aktion eine jahrelange Serie von Diebstählen aus Feldscheunen, Baustellen und landwirtschaftlichen Gebäuden in der Region aufgeklärt. Demnach sollen ein 39- und ein 22-Jähriger zwischen 2012 und 2015 eine zweistellige Zahl an Diebstählen im Grenzgebiet zur Tschechischen Republik begangen haben. Gesamtwert: rund 238.000 Euro.

Die Kriminalpolizei in Amberg bezeichnet die Aufklärung der Serie als „Musterbeispiel für Zivilcourage, (kriminal)polizeiliche Ermittlungsarbeit und grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den tschechischen Behörden“. Zu verdanken ist die Klärung der Diebstähle auch einem Zeugen, der die Polizei alarmierte. Das zog eine Kette von Ermittlungserfolgen nach sich.

Mit dem Unimog auf Diebestour

Nach einem Hinweis des Zeugen hatten die Beamten der Polizei Oberviechtach am 9. Juni 2015 gegen 2.30 Uhr zwei tschechische Staatsangehörige im Alter von 39 und 22 Jahren kontrolliert, die mit einem Unimog samt landwirtschaftlichem Anhänger (siehe Foto) unterwegs waren. Wie sich herausstellte, war der Anhänger gestohlen worden. Die beiden Männer wurden festgenommen. Die weiteren Ermittlungen ergaben schließlich laut Polizei, dass dem 39-Jährigen Diebstähle im Gesamtwert von rund 238.000 Euro zuzurechnen seien.

Die Polizeidienststellen in Oberviechtach, Waldmünchen, Vohenstrauß, Furth im Wald und Bad Kötzting hatten sich in den zurückliegenden Jahren immer wieder mit Diebstählen aus Feldscheunen, landwirtschaftlichen Betrieben, von Baustellen und anderen abgelegenen Gebäuden beschäftigen müssen. Immer waren die Schlösser aufgebrochen, entsprechende Sicherungen überwunden und hochwertige Fahrzeuge, Arbeitsmaschinen und ähnliche Gerätschaften gestohlen worden.

Zeugen hatten im Bereich der aufgebrochenen Gebäude öfter einen Unimog mit Kranaufbau bemerkt, berichtet die Polizei. Dieser fiel auch dem Zeugen aus der Ortschaft Schwarzach am 9. Juni 2015 auf, der die Polizei verständigte. Auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Schönsee und Preishof hielten die Beamten den Unimog samt Anhänger daraufhin an.

Besitzer erkennt Anhänger wieder

Von dem Anhänger war zwar das Typenschild entfernt worden, jedoch gelang es den Beamten, die stark mit Öl und Schmutz verdeckte Fahrgestellnummer sichtbar zu machen. Der mutmaßlich Bestohlene wurde sofort verständigt und erkannte zweifelsfrei seinen Anhänger wieder. Dieser war ihm schon vor sechs Monaten aus seiner Feldscheune im Bereich Weiding gestohlen worden. Die Männer wurden daraufhin festgenommen.

Die Polizei ermittelte weiter, es übernahm die Kriminalpolizei Amberg. Gleich zu Beginn deren Ermittlungen wurde im Bereich Schönsee an der Staatsstraße zwischen Rosenthal und Muggenthal ein Baustellencontainer als aufgebrochen gemeldet. Daraus waren Gerätschaften wie Wackerstampfer und Schweißgeräte im Wert von rund 8.000 Euro entwendet worden. Außerdem standen laut Polizei eine Rüttelplatte und eine Vibrationswalze zum Abtransport bereit. Der Verdacht: Die Festgenommenen wollten die Beute mit dem Unimog und Anhänger abholen.

Diebesgut lag schon zum Abtransport bereit

Die Polizei fand in Zusammenarbeit mit den tschechischen Behörden heraus, dass auf den 39-Jährigen ein VW-Bus zugelassen war. Dieser wurde auf tschechischem Staatsgebiet, rund 3,5 Kilometer vom Grenzübergang Schwarzach entfernt, entdeckt und durch die tschechische Polizei durchsucht. Und tatsächlich: Darin befanden sich die gestohlenen Gegenstände von der Baustelle.

Laut Polizei waren die beiden Festgenommenen mit dem VW Bus zur Baustelle gefahren, hatten den Container aufgebrochen und die Gegenstände eingeladen. Dann sollen sie über die Grenze zum Unimog gefahren sein, um damit die Rüttelplatte und Vibrationswalze abzuholen. Dazu kam es dank des Zeugenhinweises nicht mehr.

39-Jähriger in Untersuchungshaft

Gegen den 39-jährigen wurde vom Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Amberg Haftbefehl erlassen. Er befindet sich nach Angaben der Polizei derzeit in Untersuchungshaft. Der 22-Jährige wurde nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt.

Aufgrund der Vorgehensweise, von weiteren Zeugenangaben und Ermittlungen wurden von der Staatsanwaltschaft Amberg Rechtshilfeersuchen an die tschechischen Justizbehörden gestellt. "Die hervorragende Zusammenarbeit zwischen dem Gemeinsamen Zentrum Petrovice-Schwandorf und den tschechischen Ermittlungsbehörden führte zu einer zeitnahen Durchsuchung in der tschechischen Ortschaft Lisov, bei der eine Vielzahl von Gegenständen im Gesamtwert von ca. 126.000 Euro sichergestellt werden konnten, die aus Diebstählen in Deutschland und der Tschechischen Republik stammen", schreibt die Polizei in ihrem aktuellen Bericht zur Aufklärung der Serie. Unter diesen Gegenständen befanden sich auch hochwertige land- und forstwirtschaftliche Anbaugeräte, Minibagger, Radlader und eine Zugmaschine.

Insbesondere bei den hochwertigen Fahrzeugen und Maschinen hatte der 39-Jährige die Typenschilder entfernt und die Fahrgestellnummern herausgeschliffen, um die Herkunft der Geräte zu verschleiern. Durch kriminaltechnische Untersuchungen konnten jedoch die meisten der sichergestellten Gegenstände wieder zugeordnet werden. Die Kriminalpolizei Amberg organisiert derzeit eine Rückgabe der im Nachbarland befindlichen Gegenstände an die rechtmäßigen Besitzer.

Auch Unimog war gestohlen

Bemerkenswert ist noch eines: Auch der Unimog mit Kranaufbau, Marke Mercedes Benz, mit dem die beiden Personen am Anfang Juni kontrolliert worden waren, war bereits am 20. September 2013 aus einem Gebäude der Gemeinde Geiersthal, Landkreis Regen, entwendet worden. Der 39-Jährige hatte Typenschilder eines anderen Fahrzeugs angebracht. Zudem entfernte er die vorhandene Fahrgestellnummer und ersetzte sie durch eine andere.

Die Bilanz der Ermittlungen der Kriminalpolizei Amberg: Dem 39-Jährigen können 20 Fälle der beschriebenen Diebstähle zugerechnet werden. Das Diebesgut hat laut Polizei einen Wert von 238.000 Euro.
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