Ein „großer Bremer“ ist tot
Trauer um SPD-Politiker Hans Koschnick

Hans Koschnik: Der angesehene SPD-Politiker ist tot. Archivbild: dpa

Bremen. Trauer um den ehemaligen Bremer Regierungschef Hans Koschnick (SPD): Nur wenige Wochen nach seinem 87. Geburtstag starb der langjährige Bürgermeister des kleinsten Bundeslandes in seiner Heimatstadt. Politiker aus ganz Deutschland würdigten den Sozialdemokraten und einstigen EU-Administrator der bosnischen Stadt Mostar als großen Europäer und Politiker mit Herz und Verstand, der sich immer für Frieden und Völkerverständigung einsetzte. SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte Hans Koschnick am Donnerstag einen "geradlinigen, entschlossenen und mitreißenden" Ausnahmepolitiker. "Handeln und nicht so viel reden!", sei seine Maxime gewesen.

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) nannte Koschnick einen herausragenden Politiker, einen "von allen geschätzten, hoch geachteten und überzeugten" Demokraten. "Wir trauern um einen großen Bremer." Bundespräsident Joachim Gauck würdigte den Alt-Bürgermeister als "leidenschaftlichen Kämpfer für die Demokratie". Mit seinem Einsatz habe er "ein Beispiel für Tatkraft, für Verantwortungsbereitschaft und für Solidarität gegeben". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte: "Ein großer, norddeutscher Sozialdemokrat ist heute von uns gegangen." Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) würdigte Koschnick als "Mann klarer Worte und des Ausgleichs".

Koschnick führte Bremen 18 Jahre lang - von 1967 bis 1985 - als Regierungschef. 1985 trat er zurück und widmete sich danach der Völkerverständigung und Friedensarbeit. Sein kluges Verhandlungsgeschick bei kniffligen Aufgaben war nicht nur bei den Genossen bekannt. So wurde Koschnick im Juli 1994 für 20 Monate EU-Administrator in der vom jugoslawischen Bürgerkrieg zerstörten Stadt Mostar. Anschließend übernahm er von Ende 1998 bis Ende 1999 die Funktion des Bosnienbeauftragten der Bundesregierung und war für die Rückführung der Bosnien-Flüchtlinge zuständig. Außerdem war er vier Mal als Schlichter im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes gefragt. Die Liste der Ehrungen, die Koschnick bekam, ist lang. Unter anderem erhielt er den Gustav-Adolf-Preis (1997) und den Regensburger Brückenpreis (2004).
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