Ein Gut für Deutschland

Wermutstropfen für Bundesbildungsministerin Johanna Wanka: Die Studienabbrecher-Quote ist zu hoch. Bild: dpa

Es tut sich was in der schon 2008 von Kanzlerin Merkel ausgerufenen "Bildungsrepublik Deutschland". Besonders bei der lange umstrittenen frühkindlichen Bildung geht es voran, wie eine neue Studie zeigt. Doch hier und da ist auch noch Luft nach oben.

Es fühlt sich immer ein wenig wie Zeugnis-Ausgabe an, wenn die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihren Jahresbericht "Bildung auf einen Blick" abliefert. Die am Dienstag vorgestellte Studie enthält zwar keine Zensuren, sie schreibt aber doch eine Reihe wertvoller Erkenntnisse ins Klassenbuch. Deutschland kommt gut weg.

Vorschulbildung: Schon bei den Jüngsten beginnt die oft beschworene Chancengerechtigkeit. Die Bundesrepublik hat dabei nach den Vergleichszahlen für über 30 OECD-Länder viele Fortschritte gemacht. Knapp zwei von drei Zweijährigen (59 Prozent) nehmen Angebote der frühkindlichen Bildung wahr - viel mehr als im OECD-Durchschnitt (39 Prozent). Schon bei den Dreijährigen (92 Prozent), erst recht bei den Vier- und Fünfjährigen ist die Teilnahme quasi flächendeckend. Allerdings besucht bundesweit nur etwa jedes dritte Kind im Vorschulbereich öffentliche Kitas (OECD: 61 Prozent), oft werden private und kirchliche Einrichtungen genutzt.

Schüler-Lehrer-Quote: In der frühkindlichen Bildung in Deutschland betreut ein Erzieher im Schnitt fünf Kinder, in der Vorschulbildung zehn. Damit ist das Verhältnis günstiger als im OECD-Schnitt mit je 14 Kindern pro Erzieher/Lehrer. In den Grundschulen erreicht Deutschland mit 16 Schülern pro Lehrer eine Quote auf OECD-Niveau, im Sekundarbereich mit 13 Schülern je Lehrer ebenfalls.

Schulabschluss: Das Bildungsniveau in Deutschland ist hoch. Fast neun von zehn jungen Menschen zwischen 25 und 34 Jahren in Deutschland (87 Prozent) haben mindestens einen weiterführenden Abschluss der Sekundarstufe II (Gymnasium, Berufsschule, Abendschule). Der OECD-Durchschnitt liegt bei 83 Prozent. Und: "Deutschland ist eines der wenigen OECD-Länder, in denen über mehrere Generationen hinweg nahezu 90 Prozent der Bevölkerung wenigstens einen Sek-II-Abschluss erworben haben."

Übergang in den Arbeitsmarkt: Wer die Schule hinter sich hat, rutscht vergleichsweise reibungslos in den Arbeitsmarkt. Das liege auch am "dualen System" aus betrieblicher Lehre und Berufsschule, hebt der OECD-Bericht hervor. So lag nach den Vergleichsdaten für 2014 die Quote der 20- bis 24-Jährigen, die weder in Arbeit noch in Aus- oder Weiterbildung waren, bei niedrigen 10,1 Prozent. Im Durchschnitt von 33 OECD-Staaten waren es 17,9 Prozent.

Bildungsabschlüsse: Rund 53 Prozent eines Jahrgangs in Deutschland beginnen ein Studium oder einen anderen tertiären Bildungsgang wie Meister oder Techniker. Der OECD-Schnitt liegt mit 60 Prozent noch ein gutes Stück darüber. Der OECD-Vize-Generalsekretär Stefan Kapferer führt dies auf die "attraktive Alternative durch eine berufliche Ausbildung" in Deutschland zurück. Dennoch müsse man auf dem Weg zu Top-Bildung vorankommen, denn: "Die Fachkräftelücke kann nur geschlossen werden, wenn sich der Anteil gut ausgebildeter Jugendlicher an den zahlenmäßig schwächeren, nachrückenden Jahrgängen weiter erhöht."

Bildungsausgaben: "Der Punkt, wo die OECD immer noch meckert", sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Dabei liege Deutschland bei Bildungsausgaben pro Schüler und Student über dem Durchschnitt. Dennoch: Die OECD stellt fest, dass 9,8 Prozent der öffentlichen Ausgaben Deutschlands für Bildung aufgewendet werden - "weniger als der OECD-Durchschnitt von 11,6 Prozent, es entspricht nahezu dem Durchschnitt der OECD-Länder, die auch Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind".
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