"Ein Jahr nach Beginn des ""Anti-Terror-Einsatzes"" gegen prorussische Kräfte scheint der Donbass für immer verloren"
Neue Eskalation im Ukraine-Krieg

Dieser ukrainische Soldat bewacht einen Kontrollposten der Armee bei Mariupol. Bild: dpa
und Ulf Mauder, dpa Tausende Tote, Zehntausende Verletzte und mehr als eine Million Menschen auf der Flucht - der Krieg in der Ostukraine dauert bereits ein Jahr. Es war der damalige Übergangspräsident Alexander Turtschinow, der am 14. April 2014 das Militär in Bewegung setzte. Die Regierungstruppen sollten die prorussischen Separatisten in die Schranken weisen. Doch ein Jahr nach Beginn der von Anfang an umstrittenen "Anti-Terror-Operation" ("ATO"), bei der mehr als 6000 Menschen starben, scheint der Donbass für Kiew für immer verloren.

"Wir lassen Russland nicht das Krim-Szenario in den östlichen Regionen der Ukraine wiederholen", tönte Turtschinow, heute Sekretär des Sicherheitsrates, damals. Das Militär sollte verhindern, dass sich die russisch geprägten Gebiete Luhansk und Donezk von der Ukraine abspalten. Die Ukraine fürchtet den Verlust des Kohlereviers Donbass. Immer wieder mussten die ukrainischen Regierungstruppen gegen die von Russland unterstützten und bewaffneten Separatisten Niederlagen hinnehmen. Doch Dialog statt Waffen, wie es die Russen und die von ihnen unterstützen Aufständischen fordern, ist weiter nicht in Sicht.

Der Mitte Februar in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarte Friedensplan ist mehr denn je in Gefahr. Das Abkommen sieht vor, dass Vertreter der ukrainischen Regierung und der nicht anerkannten "Volksrepubliken Donezk und Luhansk" gemeinsamen über die Zukunft des Konfliktgebiets sprechen. Die Ukraine lehnt nicht nur die Bildung der vereinbarten Donbass-Arbeitsgruppen ab. Eine klare Absage gab es auch auf Forderungen der Aufständischen, die wirtschaftliche und finanzielle Blockade des Donbass zu beenden. Kiew werde doch nicht noch die "Terroristen" unterstützen, sagte Außenministeriumssprecher Jewgeni Perebijnis. Dabei beklagen nicht zuletzt Menschenrechtsorganisationen eine humanitäre Katastrophe. Die Lage ist verfahrener denn je. Täglich werfen sich die Konfliktparteien Verstöße gegen die Waffenruhe vor.

Immer öfter warnen Beobachter vor einer neuen Eskalation. Beide Seiten rüsten sich dafür. Die Truppen der Separatisten sollen inzwischen von einst knapp 25 000 Mann aus schlecht ausgerüsteten Ukrainern und russischen Freischärlern auf 60 000 angewachsen sein. Die Separatisten werfen dem ukrainischen Militär vor, einen Angriff gegen den Donbass vorzubereiten. Immerhin hat die Regierung versprochen, die abtrünnigen Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die ukrainische Seite wiederum sieht die Gefahr, dass die Separatisten weitere Gebiete ins Visier nehmen. Als strategisch wichtig gilt für sie die Hafenstadt Mariupol.
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