Ein Jahr nach dem Ansturm herrscht Ruhe an den bayerischen Grenzübergängen
Stunde der Schleuser

Die Bildkombo zeigt Flüchtlinge, die am 26. Oktober vergangenen Jahres bei Passau vor dem Grenzübergang von Österreich nach Deutschland warten (oben) und den gleichen Ort heuer am 11. August Bilder: dpa (2)

Passau. Die Idylle ist an der Grenze zu Österreich in Wegscheid bei Passau zurückgekehrt. Sanfte Hügel schmiegen sich in die Waldlandschaft, nichts zeugt mehr von den Schicksalen, die sich im Vorjahr dort abgespielt haben. Auf der feuchtkalten Wiese mussten Tausende Flüchtlinge stundenlang auf einen Bustransport nach Deutschland warten. Wegscheid war im vergangenen Herbst einer der Hotspots in der Flüchtlingskrise.

Ein Jahr später erinnert nur noch eine kurzzeitige mobile Kontrolle der Bundespolizei an die dramatischen Wochen. Seit die Balkanstaaten ihre Grenzen geschlossen haben, suchen sich die Flüchtlinge jedoch wieder andere Wege. Dabei nimmt das Schleusergeschäft wieder deutlich zu. "Wir kontrollieren noch immer offen und verdeckt nach Schleusungen - auf Autobahnen, Land- und Kreisstraßen", sagt der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Passau, Frank Koller. Seitdem die Balkanroute geschlossen ist, hätten illegale Schleuser wieder Hochbetrieb. Die Kriminellen werden immer professioneller und nutzen sogar Aufklärungsfahrzeuge an den kleinen Übergängen, um ihre menschliche Fracht nach Deutschland zu bringen.

"Im letzten Jahr haben es die Schleuserorganisationen in Kauf genommen, wenn ein Fahrzeug von uns geschnappt wurde, dafür aber vier andere durchgeschlüpft sind", erläutert Koller. Derzeit werden jeden Monat bis zu 1400 Flüchtlinge an der grünen Grenze oder in den Fernreisezügen im Raum Passau aufgegriffen. Im vergangenen Herbst waren es noch bis zu 6000 pro Tag.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.