Ein Job in Deutschland - für viele Flüchtlinge vorerst ein Traum

Es ist der Traum vieler Asylbewerber: In Sicherheit zu leben - und einen gut bezahlten Job zu finden. Die Voraussetzungen scheinen dafür auf den ersten Blick in Deutschland gar nicht so schlecht. Immerhin gab es Ende August mit 597 000 so viele freie Stellen wie in keinem anderen EU-Land. Nicht nur in der Gastronomie, auch in vielen Handwerksberufen, in Pflegeheimen, Kliniken und Kindertagesstätten suchen Chefs händeringend Mitarbeiter.

Den wachsenden Kräftemangel vor Augen bemüht sich inzwischen die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei Chefs verstärkt darum, Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern abzubauen. Seit Mitte August wirbt sie in einer Unternehmerbroschüre offensiv dafür, bei der Besetzung freier Stellen auch an die Einstellung von Flüchtlingen zu denken.

Erste administrative Weichen für eine verstärkte Beschäftigung von Asylbewerbern hat die Bundesregierung angesichts der hohen Flüchtlingszahlen inzwischen gestellt. Selbst Flüchtlinge im laufenden Asylverfahren und geduldete Zuwanderer können, wenn die örtliche Ausländerbehörde dem zustimmt, inzwischen bereits nach drei Monaten arbeiten.

Demnächst könnte auch die sogenannte Vorrangprüfung wegfallen, die Flüchtlinge in den ersten 15 Monaten ihres Deutschland-Aufenthalts bei der Jobvergabe gegenüber Deutschen und anderen EU-Bürgern benachteiligt. Trotzdem dürfte die Hoffnung vieler Syrer, Iraker, Afghanen, Eritreer und Somalier ein Traum bleiben.

Das macht nicht zuletzt ein hoffnungsvoll gestartetes Modellprojekt der Bundesagentur deutlich. Unter dem Namen "Early Intervention" (Frühzeitiges Eingreifen) hat die BA seit Anfang 2014 bundesweit 800 Asylbewerber systematisch auf das Berufsleben in ihrem neuen Heimatland vorbereitet - in der Hoffnung auf eine baldige Job-Vermittlung. Der bisherige Erfolg hält sich allerdings in Grenzen. Bisher wurden, so berichtete eine Bundesagentur-Sprecherin am Dienstag, 46 Projektteilnehmer in Arbeit vermittelt. 13 gelang der Start einer Lehre. (dpa)
Weitere Beiträge zu den Themen: Politik (7296)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.