Ein schmaler Grat

An Land, in Sicherheit. Nur 28 Menschen von geschätzt 850 überlebten das Kentern ihres Flüchtlingsschiffs. Die meisten Geretteten trafen am späten Montagabend mit dem Schiff "Gregoretti" der italienischen Küstenwache in Catania ein. Bild: dpa

Pläne zur Zerstörung von Menschenschmuggler-Schiffen sollen eines der Topthemen beim EU-Sondergipfel zu den Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer werden. Kanzlerin Merkel fordert, die EU müsse auch die Ursachen der Flucht bekämpfen.

Nach den Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer müssen Schleuserbanden mit harten Konsequenzen rechnen. Die EU-Kommission machte am Dienstag deutlich, dass sie vom Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs grünes Licht für Pläne zur gezielten Zerstörung leerer Schleuserschiffe erwartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, es müsse einen Dreiklang aus "Retten, Schlepper verfolgen und Ursachen bekämpfen" geben. Das Problem sei nicht allein mit der Abwehr von Flüchtlingen zu lösen, sagte sie in einer Sitzung der Unionsfraktion am Dienstag in Berlin nach Teilnehmerangaben.

In Italien wurden nach dem Unglück vom Wochenende mit vermutlich 800 Toten der Kapitän und ein Besatzungsmitglied festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem tunesischen Kapitän mehrfache fahrlässige Tötung, Herbeiführen eines Schiffbruchs und Begünstigung illegaler Einwanderung vor. Ein syrischer Seemann muss sich nur wegen Begünstigung verantworten.

Bei dem Unglück in der Nacht zum Sonntag vor der libyschen Küste kamen nach neuen Angaben des UN-Flüchtlingswerks UNHCR etwa 800 Menschen ums Leben oder werden vermisst, darunter viele Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia und Syrien. Die Staatsanwaltschaft erklärte, an Bord seien rund 850 Menschen gewesen. Wie viele Menschen gestorben sind, wird wohl nie endgültig feststehen, da die Suche nach Vermissten bisher ergebnislos blieb und das Boot gesunken ist. Die italienische Küstenwache hat bisher 24 Leichen geborgen, die in Malta bestattet werden sollten. 28 Menschen überlebten. Im Mittelmeer sind nach Angaben von Helfern seit Jahresbeginn 30 Mal mehr Flüchtlinge gestorben als im gleichen Zeitraum 2014. Die Küstenwache in Italien stößt an ihre Grenzen. Jeden Tag müssen Hunderte Menschen gerettet werden. "Wir stehen vor einem epochalen Exodus und unsere Leute, die rund um die Uhr arbeiten, werden auf eine harte Probe gestellt", sagte Admiral Giovanni Pettorino der Zeitung "La Repubblica". (Seite 5)
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