Einer muss draußen bleiben

Nein, geschlossen ist das Freudenberger Freibad nicht mehr. Für einen 61-Jährigen führt vorerst dennoch kein Weg hinein. Bild: Hartl

Wenn jemand aus der Kneipe fliegt, na ja, soll vorkommen. Setzt es hingegen ein behördliches Zutrittsverbot, geht es ans Eingemachte von Bürgerrechten. Freudenberg sah sich dennoch dazu gezwungen und keinen Anlass, davon etwas zurückzunehmen.

(zm) Bürgermeister Alwin Märkl bleibt dabei: "Das zweijährige Verbot gilt." An Christi Himmelfahrt hat das dortige beschauliche Freibad wieder geöffnet. Für einen 61-Jährigen aus dem Landkreis nicht. Trotz seiner Klage vor dem Regensburger Verwaltungsgericht, wo er das gegen ihn im vergangenen Jahr verhängte Betretungsverbot des Schwimmbades kippen möchte.

Keine aufschiebende Wirkung

Trotzdem kann Märkl, der immer wieder in einem der von dem 61-Jährigen betriebenen Schmähungs-Blogs unflätig beschimpft und beleidigt wird, gelassen bleiben. Das in Regensburg anhängige Verfahren ist bisher nicht voran gekommen. Laut stellvertretendem Gerichtssprecher Markus Eichenseher ist auch nicht absehbar, wann in der Sache eine Entscheidung fallen wird. Eine sogenannte aufschiebende Wirkung - das würde bedeuten, dass die Klage das Verbot außer Kraft setzt - gibt es jedenfalls nicht.

Eklat heraufbeschworen

Damit gilt das von Märkl für zwei Jahre verhängte Badeverbot für den Mann, der sich ständig durch Beleidigungen, Anzüglichkeiten und Unflätigkeiten hervortut. Eine ganze Reihe von einschlägigen Vorahndungen - auf Januar datiert der jüngste Schuldspruch wegen Beleidigung mit einer zweimonatigen Haftstrafe ohne Bewährung - scheint ihn nicht zu beeindrucken. Zum Eklat im Freudenberger Freibad war es gekommen, als sich junge Mädchen von dem Mann belästigt sahen und deshalb ihm ein paar Burschen unmissverständlich zu verstehen gegeben hatten, dass er hier unerwünscht sei.

Krudes Rechtsverständnis

Daraufhin eskalierte die Situation und der 61-Jährige sah sich beflissen, per Internet-Blog über den Bademeister, Bürgermeister, die anzüglich angegangenen Mädchen, deren Eltern und ganz Freudenberg einen förmlichen Kübel an Unflätigkeiten auszukippen. Alles per Internet öffentlich einsehbar. Stets beruft sich der Mann auf das ihm grundgesetzlich verbriefte Recht auf freie Meinungsäußerung. Sein Anwalt gesteht ihm zur Verteidigung auf der anderen Seite zu, dass er mit dem Rechtsstaat nun einmal "auf Kriegsfuß" stehe.

Freudenberg geht es derweil um "das Ruhe- bzw. Erholungsbedürfnis der Freibadnutzer", das "vor Belästigungen mit dem Erzeugen von seelischem Unbehagen" (Stellungnahme gegenüber dem Verwaltungsgericht) zu schützen sei. Während der Badesaison 2016 läuft das Verbot aus. Spätestens dann hat sich die Klage erledigt. Das Problem nicht.
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