Einsatz gegen mutmaßliche Rechtsterroristen
GSG 9 schlägt in Freital zu

Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberheime und Wohnungen verbreiten im Herbst in Sachsen Angst. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Terrorverdachts an sich gezogen. Jetzt hat die Polizei zugegriffen.

Karlsruhe/Freital. (dpa/epd) Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt haben am Dienstag fünf Verdächtige im sächsischen Freital verhaften lassen. Es handelt sich um vier Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren und eine 27-jährige Frau. Sie sollen zusammen mit Komplizen die rechtsterroristische "Gruppe Freital" gegründet und Asylbewerberheime sowie Wohnungen von Gegnern angegriffen haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte.

200 Beamte im Einsatz


Ermittler, darunter die Spezialeinheit der Bundespolizei GSG 9, durchsuchten mehrere Wohnungen und andere Räumlichkeiten in Sachsen. Insgesamt waren mehr als 200 Beamte des Bundeskriminalamtes, der Bundespolizei sowie der sächsischen Polizei beteiligt. Gegen die Beschuldigten waren zuvor Haftbefehle ergangen. Vier werden des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung verdächtigt. Außerdem sollen sie für zwei Sprengstoffexplosionen und Sachbeschädigungen verantwortlich sein. Dem fünften Verdächtigen werfen die Behörden unter anderem versuchte gefährliche Körperverletzung vor.

Drei weitere Verdächtige, die ebenfalls zur "Gruppe Freital" gehören sollen, befinden sich bereits in Untersuchungshaft. Gegen sie hatte das Amtsgericht Dresden Haftbefehle wegen Sprengstoffexplosionen und anderer Straftaten erlassen. "Der Ermittlungskomplex ist durchaus größer, und weitere Aktivitäten laufen derzeit", sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) auf die Frage, ob gegen weitere Personen ermittelt werde. Details nannte er nicht.

Sprengstoff aus Tschechien


Den Ermittlungen zufolge war es das Ziel der Gruppe, Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberunterkünfte und Wohnprojekte von politisch Andersdenkenden zu verüben. Dazu sollen sich die Mitglieder eine große Menge pyrotechnischer Sprengkörper aus Tschechien beschafft haben. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft sollen Mitglieder der Gruppe im vergangenen Jahr drei Sprengstoffanschläge begangen haben: im September in Freital, im Oktober in Dresden und in der Nacht zum 1. November in Freital.

Durch den Zugriff seien weitere mögliche Anschläge der Gruppe verhindert worden, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin. "Dies zeigt, dass der Staat konsequent und frühzeitig gegen rechtsterroristische Strukturen und Straftäter vorgeht." Sein sächsischer Kollege Ulbig wertete die Festnahme als Beleg für konsequentes Durchgreifen.
Dies zeigt, dass der Staat konsequent und frühzeitig gegen rechtsterroristische Strukturen und Straftäter vorgeht.Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU)
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