Einsteins und das Abitur

In der Konferenz der Länder-Ressortchefs steht eine bessere Vergleichbarkeit von Abiturprüfungen auf der Agenda. Außerdem sind "kleine Einsteins" in deutschen Schulen oft unterfordert. Die Kultusminister wollen mehr für die Begabtenförderung tun.

"Überflieger" sollen sich an deutschen Schulen künftig weniger langweilen und dazu frühzeitig besser gefördert und stärker gefordert werden. Das sieht im Kern eine neue "Förderstrategie für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler" vor, mit der sich die Bildungsminister der 16 Länder seit Donnerstag bei der zweitägigen Sommersitzung der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin befassen.

Die amtierende KMK-Präsidentin, Sachsens Ressortchefin Brunhild Kurth (CDU), tritt schon länger für die Belange begabter Schüler ein. Sie sagte: "Eine gute Schule fördert die benachteiligten Kinder, lässt aber auch die Talente nicht verkümmern." Auch dies sei eine Frage von Bildungsgerechtigkeit.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Vera Reiß (SPD) begrüßte die gemeinsame KMK-Strategie. Die Förderung von leistungsschwächeren und leistungsstärkeren Kindern seien "zwei Seiten einer Medaille. Wir wollen die Schülerinnen und Schüler von Anfang an dabei unterstützen, ihr Potenzial voll einzusetzen und zu nutzen." Unter anderem gebe es in allen rheinland-pfälzischen Universitätsstädten bereits Schulen für Hochbegabtenförderung, betonte Reiß.

Außerdem behandelt die KMK bis Freitag das Thema Abitur. So soll ein Pool von Abiturprüfungsaufgaben entwickelt und ab 2017 von möglichst allen Ländern genutzt werden. "Wir müssen zu Vergleichbarkeit kommen", sagte Kurth. Denn der Notenschnitt spiele eine wichtige Rolle bei der Studienplatzvergabe.

Bayerns Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU) will als Sprecher der Kultusminister der unionsgeführten Länder - also auch Sachsen und Hessen - eine Abi-Qualitätssicherung dauerhaft in einem Staatsvertrag verankern. "Ein Staatsvertrag hat die höchste Bindewirkung", erklärte Spaenle den Vorstoß vor der KMK-Sitzung. Es gehe bei Abschlussprüfungen darum, "dass die Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler in den deutschen Ländern erwerben, vergleichbar sind".

Die Vergleichbarkeit des Abiturs in den Ländern war zuletzt ins Gerede geraten - durch Statistiken, wonach die Quote der Top-Noten mit einer Eins vor dem Komma in Thüringen mehr als doppelt so hoch ist wie in Niedersachsen. Spaenle: "Vergleichbare Prüfungen führen zu mehr Übereinstimmung in den Lehr- und Bildungsplänen und erleichtern so auch die Mobilität von Familien, die mit ihren Kindern von einem Bundesland in ein anderes umziehen."
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