Ende des Kalten Krieges nun auch in der Karibik

Handschlag in Panama-Stadt: Die Unterredung des kubanischen Staatschefs Raúl Castro (links) mit US-Präsident Barack Obama dauerte insgesamt rund 80 Minuten. Bild: dpa

Barack Obama und Raúl Castro haben Geschichte geschrieben. Der Neuanfang zwischen Washington und Havanna dürfte die gesamte Region verändern. Doch Konflikte sind programmiert.

(dpa/epd) Mit einem historischen Dialog haben US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro eine neue Ära auf dem amerikanischen Kontinent eingeleitet. Erstmals seit der kubanischen Revolution 1959 trafen die Staatschefs beider Länder zu einem echten Gespräch zusammen. Beide gelobten künftig gegenseitigen Respekt. "Dies ist ganz offensichtlich ein historisches Treffen", sagte Obama am Samstag am Rande des Amerika-Gipfels in Panama, an dem erstmals auch Kuba teilnahm. Die über 50-jährige Politik der Isolation der sozialistischen Karibikinsel sei gescheitert. "Es ist Zeit, etwas Neues zu versuchen", sagte Obama.

"Müssen Geduld haben"

Der Dialog mit Castro sei offen und fruchtbar gewesen, sagte der US-Präsident. Obama rief den US-Kongress auf, ein Ende der Kuba-Sanktionen zu beschließen. Zudem signalisierte er, dass er sehr bald über eine Streichung Kubas von der US-Terrorliste entscheiden werde. Doch zugleich stellte Obama unmissverständlich klar, dass Washington auch künftig bei Menschenrechtsverletzungen in Kuba seine Stimme erheben werde. Dagegen äußerte sich der 83-jährige Castro, der gemeinsam mit seinem Bruder Fidel (88) den Umsturz in Kuba angeführt hatte, eher zurückhaltend. "Wir sind willens, über alles zu reden. Aber wir müssen Geduld haben, viel Geduld." Entscheidend sei gegenseitiger Respekt. Bereits im Dezember hatten beide Politiker miteinander telefoniert und das Ende der Eiszeit zwischen Havanna und Washington eingeleitet.

Zuvor hatte Castro in Panama in einer emotionaler Rede die US-Aggression im Kalten Krieg gegen sein Land gebrandmarkt und das Ende der US-Sanktionen verlangt. Zugleich lobte er Obama für seinen Mut zur Wende. "Meiner Meinung nach ist Obama ein ehrlicher Mann."

Erstes Ziel der Normalisierung ist die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen und die Eröffnung von Botschaften. Beide Seiten hätten vereinbart, offene Fragen möglichst rasch zu klären, teilte das Weiße Haus mit. Seit der kubanischen Revolution und der danach folgenden Enteignung amerikanischer Firmen vor mehr als 50 Jahren unterhalten Havanna und Washington keine diplomatischen Beziehungen.

Gespräch mit Maduro

Nicht für eine Lösung konnte der Gipfel in dem Konflikt zwischen den USA und Venezuela sorgen, auch wenn es Signale der Entspannung gab. Der venezuelanische Präsident Nicolás Maduro betonte, er sei bereit für einen Dialog. Gleichzeitig bezichtigt er jedoch die USA, einen Putsch gegen ihn anzuzetteln und verlangte, die verhängten Sanktionen aufzuheben. Im März hatten die USA Einreiseverbote für eine Reihe von Militärs und venezolanischen Beamten verhängt, die Menschenrechtsverletzungen begangen haben sollen. Obama und Maduro kamen am Rande des Gipfels zu einem Gespräch zusammen, das allerdings nur wenige Minuten dauerte. (Kommentar)
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