Endlager für Atommüll
Geeiere um Gorleben

"Ich hoffe, dass es in der bald beginnenden Endlagersuche nicht weiterhin bayerische und sächsische Bestrebungen gibt, sich aus der Verantwortung zu stehlen." Zitat: Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion

Gorleben. Die Sache mit den Schildern stört Bürgermeister Klaus Hofstetter schon ein wenig. Gerne würde er ein neues "Herzlich Willkommen in Gorleben"-Schild an der Straße aufstellen. Doch noch wartet er auf die Genehmigung. Zwei Kilometer weiter jedoch, vor dem Atom-Zwischenlager in seiner Stadt, da plakatierten Atomkraftgegner jede freie Fläche. "Die stellen dort alles auf, was nur geht", sagt er brummig. "Da lernt man den Unterschied zwischen Befürwortern und Gegnern."

Seit Jahrzehnten Proteste


Seit Jahrzehnten wird in Niedersachsen erbittert gegen ein Atommüll-Lager gekämpft. Wer zum ersten Mal nach Gorleben kommt, hat die Bilder im Kopf: Von Menschen, die sich an Gleisen festketten, Wasserwerfern auf den Straßen und Polizisten, die Anti-Atomkraft-Demonstranten wegtragen, um den Weg frei zu machen für die Castorbehälter.

Nun hat eine Kommission der Bundesregierung festgegelegt, dass Gorleben bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Müll weiterhin berücksichtigt wird. Hof-stetter wirkt fast gleichgültig. Dieses "Geeiere", dieses Hin und Her, "alles schon gehabt". Niemand wolle sich festlegen, ob das Lager nun sicher sei oder nicht. "Wir sind nicht scharf darauf, hier ein unsicheres Lager zu bekommen." Schlimm wäre es auch, wenn die Arbeitsplätze am Zwischenlager und bei der Erkundung des Salzbergwerks wegfielen, meint er. Vor zwei Jahren wurde die Erkundung des Salzstocks gestoppt, jetzt arbeiten hier noch 90 Menschen.

"Wir waren einmal eine Gemeinde wie viele andere", sagt der 67-Jährige und meint damit: arm. "Seitdem hat sich vieles bewegt." 590 000 Euro fließen jedes Jahr vom Betreiber des Zwischenlagers GNS an die Gemeinde. Ein Kindergartenbus bringt die Kleinsten gratis in die Kita. Eine Krankenschwester wurde eingestellt, um die Senioren der Gemeinde zu Hause zu betreuen. Wer in Gorleben bauen möchte, bekommt das Grundstück geschenkt und 50 Cent pro Quadratmeter obendrauf. Auch die Grundsteuer ist niedrig. Die Einwohnerzahl liegt konstant bei rund 630.

Lockruf des Geldes


"Das Zwischenlager? Das soll bitteschön dort bleiben", sagt eine Gorlebenerin. Das "X", mit dem die Atomkraftgegner ihre Überzeugung symbolisieren, findet man in Gorleben seltener als in umliegenden Gemeinden. Dort wohnt Wolf-Rüdiger Marunde. Seit 21 Jahren demonstriert er mit dem Aktionsbündnis "Bäuerliche Notgemeinschaft" gegen Atomkraft. "Die Gemeinde kann dem Ruf des Geldes nur schwer widerstehen", sagt er über Gorleben.

Beim Thema Atomkraft kann er sich aufregen, über den Bericht der Endlagerkommission eher nicht. "Das war klar", meint er. "Gorleben ist da. Man müsste nur noch das Schild ,Endlager' dran machen. Deshalb ist auch die Gefahr so groß, dass es so weit kommt." Mit den Kriterien könne man Gorleben bis zum Ende durchziehen oder andere geologisch ungeeigneten Standorte legalisieren.

Ich hoffe, dass es in der bald beginnenden Endlagersuche nicht weiterhin bayerische und sächsische Bestrebungen gibt, sich aus der Verantwortung zu stehlen.Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion
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