Endlich am Ziel
Hilfsgüter nach vier Jahren angekommen

Ein Hilfskonvoi mit Essen und Medizin hat sich nun bis nach Daraja durchgekämpft. Bild: dpa

Die Hilfsgüter für das belagerte Daraja sind ein kleiner Erfolg im syrischen Bürgerkrieg: Nach vier Jahren schaffte es der Wagen endlich, zu den Menschen durchzukommen. Doch die Auseinandersetzungen gehen weiter, und auch auf den Vorort von Damaskus fallen wieder Fassbomben.

Damaskus. Erstmals nach knapp vier Jahren hat ein Hilfskonvoi mit Nahrungsmitteln die von syrischen Regierungskräften belagerte Rebellenhochburg Daraja erreicht. Dort leiden Aktivisten zufolge rund 8000 eingeschlossene Menschen unter Mangelernährung. Lastwagen des Syrischen Roten Halbmonds und der Vereinten Nationen hätten Essen und Medikamente in den Vorort der Hauptstadt gebracht, teilte das UN-Welternährungsprogramms (WFP) am Freitag mit. Kurz nach Eintreffen des Wagens wurde die Stadt allerdings mit international geächteten Fassbomben angegriffen. Wegen der Bombardierung sei es schwierig, das Essen auszuteilen, sagte der Aktivist Fadi. Die Hilfsgüter seien zunächst gelagert worden. Dem Aktivisten zufolge hatte das Regime 30 Fassbomben abgeworfen, die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von 20.

"Alles verloren"


Die Rebellenhochburg Daraja wird seit 2012 von der Armee und ihren Verbündeten belagert. Schmuggler bringen Lebensmittel durch Tunnel in die Stadt. Der Konvoi enthielt laut WFP Essenspakete für rund 2400 Menschen und Mehl für 4000 Bewohner. Die Hilfsgüter sollten für einen Monat ausreichen. Zudem sei Medizin geliefert worden. "Im belagerten Daraja haben uns die Menschen mit Lächeln und Tränen empfangen. Nach vier Jahren Belagerung haben sie alles verloren", twitterte ein WFP-Mitarbeiter.

Vor mehreren Wochen waren dem Roten Kreuz und einem Hilfskonvoi der Vereinten Nationen die Einfahrt nach Daraja verwehrt worden, obwohl die syrische Regierung zuvor die Erlaubnis erteilt hatte. Vergangene Woche erreichte dann der erste Transport die Stadt. Allerdings enthielt dieser - abgesehen von Babynahrung - kein Essen.

Den Vereinten Nationen zufolge leben geschätzt 492 000 Menschen in 19 belagerten Gebieten in Syrien. Die UN hat nach eigenen Angaben vom syrischen Regime Genehmigungen erhalten, Hilfsgüter in 15 der 19 Orte zu transportieren. Die Aufhebung der Belagerungen ist eine der Hauptforderungen der syrischen Opposition bei Friedensgesprächen gewesen.

Komplett eingeschlossen


Im nordsyrischen Kriegsgebiet gerät unterdessen die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unter Druck. Ein von Kurden angeführtes Bündnis kappte mit der Belagerung der Stadt Manbidsch die wichtigste Nachschubroute des IS aus der Türkei. Die Demokratischen Kräfte Syriens (DFS) hätten die Stadt komplett eingeschlossen, erklärten Menschenrechtsbeobachter. Unterstützt wird das Bündnis von Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition und US-Kommandos.
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