Entsetzliche Tat ohne Beispiel
Die tödliche Nacht von Dallas

Eine salutierende Reihe ehrenden Respekts: Polizisten und Krankenhauspersonal stehen am Eingang zur Notaufnahme eines Krankenhauses in Dallas, als in der Nacht zum Freitag der Leichnam eines Polizisten eingeliefert wird. Bild: dpa

Dallas - eine entsetzliche Tat ohne Beispiel. Eine Demonstration gegen Polizeigewalt, plötzlich fallen Schüsse. Fünf Polizisten sind tot. Die Folgen sind unvorhersehbar.

Dallas. Es war vielleicht zu befürchten. Aber dass es passieren würde, hat doch niemand kommen sehen. Was in der Nacht zum Freitag in Dallas geschieht, wird der tödlichste Tag für die Polizei in den USA seit dem 11. September 2001. Fünf Polizisten sterben, sieben weitere und zwei Zivilisten werden verletzt.

Die Schüsse fielen an der Route einer Demonstration gegen Polizeigewalt. US-Medien beschreiben die Tat als professionell, taktisch trainiert. Aber wie viele Täter waren es, einer oder mehrere? Das bleibt unklar. Noch in der Nacht sagt Polizeichef David O. Brown, mehrere Täter hätten sich an der Strecke der Demonstration postiert, von erhöhten Positionen gefeuert. Später verdichten sich Hinweise, es könne vielleicht ein Einzeltäter gewesen sein, aber das bleibt unbestätigt. Drei Verdächtige wurden festgenommen, sagt die Polizei, das Fernsehen zeigt Gefesselte in Tarnkleidung.

Polizeichef Brown sagt am Morgen, ein Mann sei in einem Parkhaus gestellt worden. Der Verdächtige habe während der stundenlangen Verhandlungen gesagt, er habe Weiße töten wollen, vor allem weiße Polizisten. Er habe keine Mitgliedschaft in einer Gruppe reklamiert und gesagt, dass er alleine handle. "Das Ende ist nah", habe der Mann verkündet, mit in der Nähe platzierten Bomben gedroht. Die Polizei findet keine. Brown sagt, es habe keine andere Möglichkeit gegeben, als einen Roboter einzusetzen, um den Mann zu stoppen. Die Maschine fuhr auf ihn zu, trug einen Sprengsatz, den die Polizei detonieren ließ. Der Verdächtige sei an den Folgen der Explosion gestorben.

Friedliche Demonstration


Es ist gut möglich, dass Augenzeugen im Chaos der Nacht und unter massivem Gewehrfeuer einen Schützen, der sich schnell bewegt hat und aus verschiedenen Positionen feuert, für mehrere Täter hielten. Es kann aber auch sein, dass mehrere Menschen mit der Tat zu tun haben - die Polizei lässt das offen.

Unter blankem Abendhimmel waren etwa 1000 Menschen in Dallas auf die Straße gegangen, um gegen den Tod zweier Schwarzer zu protestieren, die binnen 48 Stunden von der Polizei erschossen worden waren. Teilnehmer und Polizei sagen, es sei völlig friedlich gewesen. Gegen 21 Uhr beginnt, was US-Präsident Barack Obama verabscheuungswürdig nennen wird, bösartig und kalkuliert. Diese Anschläge erschüttern die USA zutiefst, und sie werden extrem nachhallen. Nicht nur hat die Polizei - wie das Militär - einen besonderen Platz in der Gesellschaft. Auch die jahrelange Waffendebatte wird neu angeheizt werden.

Noch ist unklar, ob es irgendeine Beziehung der Tat zu der Protestbewegung gegen Polizeigewalt gab. Diese Bewegung hat großen Zulauf, weil sich an den Missständen im Verhältnis von Schwarz und Weiß in der Gesellschaft wenig ändert. Da die Bürgerrechtsbewegung "Black Lives Matter" ein nicht immer eindeutig ablehnendes Verhältnis zu Gewalt hat, begann nach der Bluttat eine erregte Debatte: Trägt die Schwarzenbewegung Schuld? Polizeichef Brown sagt, der getötete Verdächtige selbst habe sich auch gegen "Black Lives Matter" gestellt. "All das macht überhaupt keinen Sinn."

Dank an Polizisten


Kurz vor den Schüssen hatte Obama versucht, einen schwierigen Bogen zu schlagen. Ganz Amerika müsse über die toten Schwarzen erschüttert sein, sagte er in Warschau, nach der Landung zum Nato-Gipfel. Ja, es gebe Benachteiligungen im Justizsystem. Obama sagte aber auch, wie viele Polizisten einen schweren, ausgezeichneten Job machten, und wie sehr er ihnen danke.

Diese Sätze müssen zeitlich mit den letzten Vorbereitungen für die Tat von Dallas zusammengefallen sein. Gegen 21 Uhr Ortszeit sollen die ersten Schüsse zu hören gewesen sein. Lynn May, ein Augenzeuge, sagt er der "Dallas Morning News", er habe an der Lamar Street gestanden, als sich der Protestzug plötzlich in einen Tatort verwandelte. Dort, zeigt er, fielen aus dem Nichts die Schüsse. "Hier hat dieser Krieg angefangen."
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