Erfolg der AfD bei Landtagswahlen verändert deutsche Politik
Ende der Gewissheiten

Berlin. Die drei Landtagswahlen von Sonntag haben die Politik kräftig durcheinandergewirbelt. Plötzlich gelten Dinge nicht mehr, die über Jahrzehnte hinweg selbstverständlich waren. Fünf Beispiele:

Große Koalition geht immer

Bislang gab es den Grundsatz, dass im Zweifelsfall CDU und SPD die Regierung bilden können. Und jetzt: In Baden-Württemberg haben die beiden "Volksparteien" zusammen keine 40 Prozent, in Sachen-Anhalt nur geringfügig mehr. Für eine Koalition reicht beides nicht. Wird das im Bund irgendwann auch so sein?

Die Wahlbeteiligung sinkt und sinkt

An Wahlabenden hieß es bislang regelmäßig: Die Bürger interessieren sich immer weniger für Politik. Und jetzt? In allen drei Ländern ging die Wahlbeteiligung nach oben. Wichtigster Grund ist die Flüchtlingskrise, größter Nutznießer die AfD.

Wer weg ist, ist weg

Nach dem Aus bei der Bundestagswahl 2013 hatten viele die FDP abgeschrieben, als Never-Come-Back-Partei, wie es sie auch in Deutschland viele gab. Und jetzt? Überall im Plus: in Rheinland-Pfalz zurück im Landtag, in Baden-Württemberg wieder drin, in Sachsen-Anhalt knappestmöglich gescheitert. So groß war bei der FDP die Hoffnung auf ein Comeback 2017 im Bund noch nie.

Das Stammland der CDU

Noch eine dieser scheinbar ewigen Gewissheiten der Bundesrepublik: In Bayern heißt die Staatspartei CSU, in Baden-Württemberg CDU. Nun haben die Christdemokraten im Südwesten nicht einmal mehr 30 Prozent, weniger als die Grünen. Das trifft die CDU im Mark.

Im Osten sammelt die Linke die Protestwähler ein

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Linke in Sachsen-Anhalt (nach Thüringen) ihren zweiten Ministerpräsidenten stellen wollte. Und jetzt? Ein dickes Minus, nur noch Platz drei. Der neue Konkurrent, die AfD, kommt aus dem Stand auf 24,2 Prozent. Viele Linke fürchten, dass die nächsten Wahlen im Osten ähnlich ausgehen.
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