Erhebliche Meinungsunterschiede vor Gesetzesdebatte
Disput um Sterbehilfe

(dpa/epd) Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat den dringenden Handlungsbedarf beim Ausbau der Versorgung Sterbenskranker unterstrichen. Nach der am Montag vorgestellten Analyse bestehen große regionale Unterschiede und erhebliche Versorgungslücken. So fehlen in gut einem Viertel aller Landkreise Hospize, Palliativstationen oder der Anbieter für eine ambulante Palliativversorgung.

Am Donnerstag will der Bundestag das weitgehend unumstrittene Palliativ- und Hospizgesetz verabschieden, mit dem die Betreuung sterbender Menschen verbessert werden soll. Am Freitag folgt dann eine Entscheidung über die vier im Bundestag eingebrachten Gesetzentwürfe zur Sterbehilfe. Beide Initiativen werden im engen Zusammenhang gesehen. Doch gibt es bei der Sterbehilfe erhebliche Meinungsunterschiede unter den Abgeordneten.

Nach der Studie wollen 75 Prozent der Menschen zu Hause sterben. Doch tatsächlich stirbt jeder zweite ältere Deutsche im Krankenhaus. Vor der Abstimmung über eine mögliche Neuregelung der Hilfe beim Suizid hat sich Gauck in einer Expertenrunde am Montag skeptisch über mehr Möglichkeiten zur Sterbehilfe geäußert. "Nicht durch die Hand eines anderen sollen die Menschen sterben, sondern an der Hand eines anderen", zitierte Gauck Ex-Bundespräsidenten Horst Köhler.

Auch der Zentralrat der Juden warnte. "Hilfe zur Selbsttötung darf nicht ... zur normalen Dienstleistung und damit zur Alternative der Sterbebegleitung werden", sagte Präsident Josef Schuster. Die fraktionsübergreifenden Vorschläge reichen vom Verbot bis hin zu einer Erlaubnis der Sterbehilfe durch Vereine und Ärzte.
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