Erklärungen zum Genozid an den Armeniern

Der Bundestag will heute eine Erklärung zum 100. Jahrestag des Beginns der Massaker an den Armeniern und anderen christlichen Völkern im Osmanischen Reich beschließen. dpa dokumentiert die Passagen, die die Verbrechen zwischen 1915 und 1918 als "Völkermord" beziehungsweise "Genozid" einstufen, im Entwurf der Koalitionsfraktionen und in der gemeinsamen Erklärung aller Fraktionen des österreichischen Parlaments vom Dienstag.

Entwurf der Fraktionen von SPD und Union im Bundestag:

"Ihr (der Armenier) Schicksal steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von denen das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist. Dabei wissen wir um die Einzigartigkeit des Holocaust, für den Deutschland Schuld und Verantwortung trägt."

Zuvor heißt es: "Ebenso waren Angehörige anderer christlicher Volksgruppen, insbesondere aramäisch/assyrische und chaldäische Christen von Deportationen und Massakern betroffen."

Erklärung des österreichischen Parlaments:

"Aufgrund der historischen Verantwortung - die österreich-ungarische Monarchie war im Ersten Weltkrieg mit dem Osmanischen Reich verbündet - ist es unsere Pflicht, die schrecklichen Geschehnisse als Genozid anzuerkennen und zu verurteilen. Ebenso ist es die Pflicht der Türkei, sich der ehrlichen Aufarbeitung dunkler und schmerzhafter Kapitel ihrer Vergangenheit zu stellen und die im Osmanischen Reich begangenen Verbrechen an den Armeniern als Genozid anzuerkennen."

Reaktion der Türkei auf das Parlament in Wien:

"Das österreichische Parlament hat weder das Recht noch die Befugnis, die türkische Nation entgegen dem Gesetz und der historischen Wahrheit eines Verbrechens zu beschuldigen. Es sollte bekannt sein, dass die Türkei und die türkische Nation diese Verleumdung ihrer Geschichte nicht vergessen wird... Es ist klar, dass die Erklärung des österreichischen Parlaments die türkisch-österreichische Freundschaft dauerhaft beflecken wird."

Bundespräsident Joachim Gauck:

Der Bundespräsident hat die Massaker in einem Gottesdienst am Donnerstag klar als "Völkermord" bezeichnet. Zugleich räumte Gauck ein, dass Deutschland eine Mitverantwortung für die Ereignisse trage. "In diesem Fall müssen auch wir Deutsche insgesamt uns noch einmal der Aufarbeitung stellen."

"Das Schicksal der Armenier steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von der das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist." (dpa/epd)
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