Erneut Bluttat in Frankreich
Pfarrer in Kirche ermordet

Polizisten riegeln die Gegend um eine Kirche in Saint Etienne du Rouvray bei Rouen ab. Dort war bei einer Geiselnahme ein Priester ermordet worden. Bild: dpa
 
Polizisten riegeln die Gegend um eine Kirche in Saint Etienne du Rouvray bei Rouen ab. Dort war bei einer Geiselnahme ein Priester ermordet worden. Bild: dpa

Frankreich kommt nicht zur Ruhe: In einer Kirche in der Normandie nehmen zwei Angreifer Geiseln, töten einen Priester. Die Terrormiliz IS reklamiert die Bluttat für sich.

Rouen. Keine zwei Wochen nach dem Blutbad von Nizza sind zwei Islamisten am Dienstagvormittag in ein katholisches Gotteshaus in der Nähe von Rouen in Frankreich eingedrungen. Sie nahmen sechs Geiseln, töteten einen 86 Jahre alten Priester und verletzten einen Menschen schwer. Sie hätten sich auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berufen, sagte Präsident François Hollande. Er sprach von einem "schändlichen Terroranschlag". Die Täter wurden von der Polizei erschossen.

IS bekennt sich


Wenig später beanspruchte der IS den Anschlag für sich, wie das IS-Sprachrohr Amak mitteilte. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. In welcher Form sich die Täter zum IS bekannt haben oder in welcher Verbindung sie zur IS-Terrormiliz standen, gaben die Behörden zunächst nicht bekannt.

Im Zuge der Ermittlungen wurde ein Minderjähriger in Gewahrsam genommen. Der in Algerien geborene 16-Jährige sei der jüngere Bruder einer Person, die mit Haftbefehl gesucht werde, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins am Abend. Dieser soll im März 2015 mit den Papieren des identifizierten Angreifers aus der Kirche ins irakisch-syrische Gebiet gereist sein. Die Ermittler führten auch Durchsuchungen durch, die am Abend andauerten.

Die Angreifer auf die Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray trugen Sprengstoffattrappen, Messer und eine Pistole bei sich. Beim Verlassen hätten sie sich mit dem Ruf "Allahu akbar" ("Gott ist groß") auf die Sicherheitskräfte gestürzt, sagte der Molins. Ein Täter habe eine Schusswaffe, einer trug einen falschen Sprengstoffgürtel um den Bauch und hatte drei Messer. Sein Komplize hielt eine mit Aluminiumfolie umwickelte Küchenuhr in der Hand. In seinem Rucksack fand die Polizei eine Sprengstoffattrappe.

Der Verletzte des Terroranschlags ist nach den Worten der Staatsanwaltschaft offenbar außer Lebensgefahr. Das 86-jährige Gemeindemitglied sei mit einer Stichwaffe am Hals verletzt worden. Eine Nonne sagte, der Priester sei in die Knie gezwungen worden. Sie habe fliehen können, als ein Täter dem anderen ein Messer reichte. Ein Angreifer, Adel Kermiche, war den Behörden bekannt. Er trug eine elektronische Fußfessel. Er habe im Vorjahr zweimal versucht, nach Syrien zu gelangen. Einmal wurde Kermiche in Deutschland, einmal in der Türkei gestoppt und festgenommen. In Frankreich kam er daraufhin in Untersuchungshaft, wurde aber im März entlassen und durfte sein Haus nur zu bestimmten Zeiten verlassen - auch zur Tatzeit. Die Identifizierung des zweiten mutmaßlichen Terroristen sei noch nicht abgeschlossen, sagte der Staatsanwalt.

Krieg mit allen Mitteln


"Ich schreie zu Gott", sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun. "Ganz Frankreich und alle Katholiken sind verletzt worden. Wir stehen zusammen", schrieb Premier Manuel Valls auf Twitter. Präsident Hollande sagte beim Besuch am Tatort, der IS habe Frankreich den Krieg erklärt. "Wir werden diesen Krieg mit allen Mitteln führen."

Ich schreie zu Gott.Dominique Lebrun, Erzbischof von Rouen
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