Erste Hilfe bei Verkehrsunfällen - Unfallhelfer sind Seltenheit geworden
Egoisten statt Ersthelfer

Vorbildliche, engagierte Unfallhelfer wie hier sind selten: Wegschauen ist für viele Verkehrsteilnehmer leider der Normalfall geworden. Bild: Gebhardt

Sulzbach-Rosenberg. (ge) Er wirkt noch immer nach, der schwere Verkehrsunfall vom Dienstag auf der B 85 bei Kropfersricht, bei dem zwei Menschen getötet und zwei teils lebensgefährlich verletzt wurden. Zum einen äußerte sich die örtliche Polizei, zum anderen meldete sich ein Ersthelfer bei der SRZ. Beide berichten Erschreckendes.

"Unbeteiligte Fahrzeugführer und Schaulustige haben sich zum Teil äußerst rücksichtslos und einfühlsarm verhalten", kritisiert der Inspektionsleiter, Erster Polizeihauptkommissar Klaus Erras. Polizisten und einige Helfer vor Ort stellten am Dienstag fest, dass sich vor allem in der Erstphase des Einsatzes einige Autofahrer nicht um die Anweisungen der Einsatzkräfte kümmerten. "Zum Teil wurde in die Unfallstelle eingefahren, an den noch auf der Straße liegenden verletzten Personen vorbei!", erzählt Erras. Als Grund habe eine Frau angeben, sie müsste "dringend weiterfahren", ein Umkehren dauere ihr zu lange.

Lästige Handy-Filmer

"Diese uneinsichtigen Zeitgenossen verschärften die sowieso schon schwierigen Einsatzbedingungen für Ersthelfer und Polizeibeamte." Ein Phänomen, das sich bei derartigen Einsätzen immer wieder zeigt, sind die sogenannten "Schaulustigen". Während früher nur geschaut wurde, dokumentieren die modernen Gaffer sofort mit ihren allzeit bereiten Handys das manchmal furchtbare Szenario. Anschließend werden die Filmchen oft ins Internet gestellt. Am Dienstag, so bedauert der Polizeichef, führte diese "Wichtigmacherei" dazu, dass Angehörige der Verunglückten vorschnell informiert wurden. "Sie kamen teilweise umgehend zur Unfallstelle, wodurch sich ihr persönliches Leid durch die schockierenden Eindrücke wesentlich verstärkte." Eine ausschließliche Überbringung der schlimmen Nachrichten durch die Polizei und das Kriseninterventionsteam, wie eigentlich vorgesehen, "das wäre sicherlich die pietätvollere und schonendere Verständigungsart", merkte Klaus Erras dazu betroffen an.

Ein 34-jähriger Lastwagenfahrer und Feuerwehrmann, der kurz nach dem Unfall dazukam, berichtete uns Ähnliches: "Ein, zwei andere Ersthelfer und ich haben sofort mit dem Bergen der Verletzten und dem Reanimieren eines der Opfer begonnen, bis der Rettungsdienst eintraf." Währenddessen fuhren einige Autos einfach vorbei. "Bis auf wenige Ausnahmen (unter anderem eine junge Frau mit medizinischen Kenntnissen), kam uns auch niemand zu Hilfe. Nur ein Mann hat sich angeboten, wenigstens den Verkehr aufzuhalten."
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