Erster Schritt zu einer umfassenden Strafrechtsreform
USA entlassen 6000 Häftlinge

Die Zahlen sprechen für sich. 25 Prozent aller Gefangenen weltweit sitzen in den USA in Haft. Seit Jahren kämpft Präsident Barack Obama für eine umfassende Strafrechtsreform. Nun werden zumindest die Bundesgefängnisse, in denen 210 000 Männer und Frauen sitzen, etwas leerer. Bis Sonntag sollen rund 6000 dieser Häftlinge vorzeitig entlassen werden.

Obama hofft auf eine Signalwirkung. Er will Mindeststrafen abschaffen und unter anderem bessere Rehabilitierungsprogramme und mehr Chancen für entlassene Straftäter auf dem Arbeitsmarkt erreichen. Dass die USA der Weltmeister im Inhaftieren sind, ist ein Stigma, das dem Land anhaftet. So hat nach Angaben des "Time"-Magazins jedes 14. Kind in den USA schon einmal erlebt, dass zumindest ein Elternteil hinter Gittern saß. Und der Strafvollzug spiegelt auch die Diskriminierung von Minderheiten, insbesondere der Schwarzen, wider. Überproportional viele Afroamerikaner und Latinos sitzen in Haft. Der Gefängnisbetrieb verschlingt auch enorm viel Geld: 80 Milliarden Dollar im Jahr.

In den USA sind viele Strafen deutlich härter als in anderen Ländern. Als in 1980er Jahren eine Welle der Drogenkriminalität die USA überrollte, wurden auch für kleinere und gewaltfreie Drogendelikte zwingende Mindeststrafe eingeführt. So sitzt nach Angaben des zuständigen Bundesamts auch heute fast die Hälfte aller Menschen in Bundeshaftanstalten wegen Rauschgiftdelikten ein.
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