Es geht um den Sieg in Mainz
CDU-Vize Julia Klöckner im heiklen Spagat

Aus Mainz heißt es, Julia Klöckners Vorstoß war mit Angela Merkel abgestimmt. Bild: dpa

Mainz. Julia Klöckner gilt als Vertraute von Angela Merkel. Trotzdem versichert die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin am Tag danach eigens noch einmal, dass sie ihrer Parteichefin nicht in die Quere kommen wollte: "Ich unterstütze die Politik der Kanzlerin ausdrücklich", sagt Klöckner.

Sieben Wochen vor drei wichtigen Landtagswahlen hat die CDU-Vize am Wochenende mit einem eigenen Plan namens A2 zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen Furore gemacht. Beifall bekommt sie nun vor allem von Merkel-Kritikern. War das ein Kalkül: Schon einmal aufschimmern zu lassen, wie Ergänzungen zu Merkels Asyl-Linie aussehen könnten?

Klöckner und die Kanzlerin kennen sich viele Jahre. Aus der Riege der Merkel-Stellvertreter in der CDU sticht die 43-Jährige dabei seit einiger Zeit hervor - und ist ein Liebling der Basis. Mit 96,5 Prozent kam sie bei der Wahl der Parteispitze zuletzt geradezu in Merkel'sche Sphären. Dabei versteht sie es, sich nicht immer hundertprozentig auf Merkel-Linie mit Themen zu profilieren. Dass ihr "Plan A2" mit Vorschlägen zu mehr nationalen Lösungen in der Flüchtlingspolitik nun Protest beim Berliner Koalitionspartner SPD ausgelöst hat, dürfte der Wahlkämpferin ganz recht sein. Und auch die CSU, deren Dauerattacken gegen die Kanzlerin ihr in die Wahlkampagne funken, könnte vielleicht wenigstens etwas leiser werden. Kritikern in der CDU empfahl sie gerade: "Einfach mal die Klappe halten."

Direkt in Regierungshandeln will Merkel Klöckners Vorschläge nun nicht verwandeln - das dürfte letztere aber auch nicht im Ernst erwartet haben. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach am Montag von einer "eigenständigen Initiative" aus der Partei. "Einiges, was sie vorschlägt, sind Elemente, die wir kennen, einiges ergänzt die Politik der Bundesregierung, einiges überlappt sich damit." Dazu passt, dass aus Mainz versichert worden war, der Vorschlag sei mit Merkel abgestimmt.

Klöckner will die SPD nach einem Vierteljahrhundert aus der Mainzer Staatskanzlei vertreiben und den nächsten Karriereschritt gehen. In Umfragen liegt die CDU vorn, der Vorsprung ist jedoch geschmolzen. Klöckner nutzt nun die heiße Wahlkampfphase, um sich zu profilieren.
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