Eschenbach: Schüler kritisieren Ablauf des Friedensgebets heftig
Streit ums Gebet

Das Gymnasium in Eschenbach. (Bild: Holger Stiegler)

Zwingt das Gymnasium seine Schüler zum Beten? Mehrere Jugendliche beschweren sich über den Ablauf des Friedensgebets vergangene Woche. Völlig aus der Luft gegriffen, findet die Schulleitung die Vorwürfe.

1200 Schüler beten für den Frieden - oder auch nicht. Nach dem Bericht über das ökumenische Friedensgebet von Gymnasium und Wirtschaftsschule vergangene Woche meldeten sich mehrere Gymnasiasten beim "Neuen Tag", um der Darstellung zu widersprechen. Weder sei es bei der Feier besonders andächtig zugegangen, noch sei die große Zahl der Schüler auf freiwilliger Basis zusammengekommen. "Dieses Event war wohl lediglich dazu gut, Gymnasium und Wirtschaftsschule etwas positive Publicity zu verschaffen", bringt ein 18-Jähriger die Kritik auf den Punkt.

Teilnahme "aus Respekt" verlangt

Besonders stört die Schüler, dass das Gymnasium alle zur Teilnahme gezwungen habe, auch jene, die sich gegen Religions- und für Ethikunterricht entschieden haben. "Aus Respekt" habe die Schule ihre Teilnahme verlangt. "Für mich bedeutet Respekt, jeden Menschen frei entscheiden zu lassen, was er für richtig hält oder hinter welchen Ansichten er steht", sagt eine 19-Jährige. Und ein Mitschüler ergänzt: "Eine Schule sollte ihre Schüler nicht zum Beten zwingen."

Keine würdevolle Gestaltung

So groß der Aufwand, die Teilnehmerzahl zu frisieren, so wenig habe sich die Schule um würdevolle Gestaltung gekümmert. "Die Lehrer Veronika Stollner, Martin Weinzierl und Dirk Grafe gaben sich große Mühe", lobt die 19-Jährige die Religionslehrer. Aber ruhig und andächtig sei die Feier zu keiner Zeit gewesen. Die Schule habe nicht über Sinn und Hintergrund der Veranstaltung informiert.

Schüler: würdelose Veranstaltung

Auch viele Lehrer hätten gleichgültig und desinteressiert gewirkt. Das Ergebnis beschreiben die Gymnasiasten als eher würdelose Veranstaltung: "1200 geistig abwesende und unruhige Schüler, die sich größtenteils nächste Woche nicht mehr an die Veranstaltung erinnern, tragen kaum bei, dass die Ideen von Frieden und Menschenrechten in nächster Zeit greifbarer werden."

Schule kann niemanden zum Beten zwingen

"Andacht lässt sich nicht verordnen", sagt Schulleiter Knut Thielsen zu den Vorwürfen. Bei 1.200 Schülern könne niemand erwarten, dass alles ruhig bleibt. Die Schule könne niemand zum Beten zwingen. Das wolle sie auch nicht, deshalb versteht er den anderen Vorwurf nicht: "Von Zwang zum Beten kann keine Rede sein." Teilnehmen mussten alle, weil die Schule der Aufsichtspflicht nachkommen muss. Die Alternative wäre gewesen, die Aufsicht in der Schule sicherzustellen. Dagegen habe er sich aus Datenschutzgründen entschieden, weil sich die Schüler dann als Nichtteilnehmer hätten outen müssen, argumentiert Thielsen.
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