EU-Kommission verlängert Zulassung um 18 Monate
Kein Aus für Glyphosat

Kanister mit Glyphosat: Das umstrittene Pflanzenschutzmittel darf auch in den nächsten eineinhalb Jahren verwendet werden. Bild: dpa

Nach monatelangem Hin und Her hat die EU-Kommission den Unkrautvernichter Glyphosat nun im Alleingang weiter genehmigt. Nicht überall macht sie sich damit Freunde.

Brüssel. Die EU-Kommission hat die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in Europa um bis zu 18 Monate verlängert. Das teilte die Brüsseler Behörde am Mittwoch mit. In dieser Zeit soll die europäische Chemikalienagentur Echa ihre Bewertung vorlegen. Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen. Die Entscheidung fiel in letzter Minute, da die aktuelle EU-Zulassung für die Substanz mit dem Monatsende am Donnerstag ausgelaufen wäre.

Die Behörde hatte eigentlich darauf gedrungen, dass die EU-Staaten über die weitere Zulassung des weit verbreiteten Unkrautvernichters entscheiden. Doch unter nationalen Vertretern war über Monate nicht die nötige Mehrheit für eine Verlängerung der aktuellen Genehmigung oder eine Neuzulassung zustande gekommen. Am Freitag scheiterte eine letzte Abstimmung, bei der Deutschland sich enthalten hat.

Umweltschützer und Pestizid-Hersteller sind enttäuscht und kritisierten die Gnadenfrist für den Unkrautkiller Glyphosat. Beide Seiten beklagten am Mittwoch, die Entscheidung für eine bis zu 18-monatige Verlängerung sei auf den Druck von Lobbyverbänden zurückzuführen.

Industrie unzufrieden


Der zuständige EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, hatte den Schritt am Vortag angekündigt. Die große Koalition in Berlin liegt in der Frage über Kreuz. Während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Unionsparteien für die weitere Zulassung plädierten, lehnten die SPD-Minister dies unter Verweis auf mögliche Gesundheitsgefahren ab.

Der Industrieverband Agrar (IVA), der Pestizid- und Düngemittelhersteller vertritt, nannte die Verlängerung der aktuellen Zulassung bis spätestens Ende 2017 eine unbefriedigende Zwischenlösung. Stattdessen sei eine Genehmigung für 15 Jahre erforderlich.

Die Branchenvereinigung Zentralverband Gartenbau (ZVG) klagte über "politischen Druck von Interessenvertretern und Nichtregierungsorganisationen". ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer warnte: "Dieses Vorgehen bei der Neu- oder Wiedergenehmigung von Wirkstoffen auf europäischer Ebene sollte einmalig bleiben und nicht zum Präzedenzfall werden."

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) beklagte seinerseits, die EU-Kommission und die Vertreter der meisten EU-Staaten hätten sich "offenkundig von den Interessen der Agrarindustrie leiten lassen". Bis zum Beweis der Unbedenklichkeit für Gesundheit und Umwelt habe Glyphosat verboten werden sollen, forderte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

"Allerletzte Galgenfrist"


Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner sprach von einer "allerletzten Galgenfrist" für Glyphosat. Allerdings werde sich während dieser Zeit nichts an der Nutzung des Stoffes ändern, beklagte er. "Immer deutlicher wird, dass das Ackergift angezählt ist und dass wir eine Agrarwende weg von der chemiebasierten industriellen Landwirtschaft hin zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung brauchen", so Ebner.
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