EU-Türkei-Pakt greift
Im Flugzeug nach Hannover

Lesbos/Dikili/Hannover. Fast geräuschlos und ohne erkennbaren Widerstand hat die umstrittene Rückführung von Migranten aus Griechenland in die Türkei begonnen. Mehr als 200 Menschen aus Auffanglagern der Ägäis-Inseln Lesbos und Chios wurden am Montag in die Türkei zurückgeschickt. Umringt von Sicherheitsleuten gingen die Migranten mit gebeugten Schultern an Bord der Schiffe Richtung Türkei. Nahezu zeitgleich landeten syrische Flüchtlinge per Flugzeug in Hannover. Die Syrien-Flüchtlinge kamen - wie im EU-Pakt mit der Türkei im März vereinbart - legal auf direktem Weg aus der Türkei nach Deutschland. Die 32 Frauen, Männer und Kinder waren vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR als besonders hilfsbedürftig ausgewählt worden. Die Kriegsflüchtlinge wurden mit Bussen ins Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen gebracht, von wo aus sie auf Städte und Gemeinden in Niedersachsen verteilt werden sollen.

Laut EU-Kommission in Brüssel wurden am Montag elf weitere Syrer aus der Türkei nach Finnland geflogen. Weitere syrische Kriegsflüchtlinge würden an diesem Dienstag in den Niederlanden erwartet. Mit dem umstrittenen EU-Türkei-Pakt will die Europäische Union den Zustrom von Flüchtlingen drosseln und Schleppern das Handwerk legen. Er sieht vor, dass Menschen, die seit dem 20. März illegal nach Griechenland gelangt sind, zwangsweise in die Türkei zurückgebracht werden können. Am Montag wurden überwiegend aus Pakistan und Afghanistan stammende Migranten per Schiff zum türkischen Küstenort Dikili gebracht. Es handele sich um 191 Männer und 11 Frauen - Menschen, die in Griechenland kein Asyl beantragt hätten, teilte das Ministerium für Bürgerschutz mit. Im "Hotspot" auf Lesbos begannen Flüchtlinge, massenhaft Asylanträge für Griechenland zu stellen, um ihre Abschiebung hinauszuzögern. Von nun an gelte es, Asylanträge zu bearbeiten, bevor weitere Migranten in die Türkei zurückgeschickt werden könnten, sagte Zacharoula Tsirigoti von der griechischen Polizei. Der Zustrom von Bootsflüchtlingen nach Griechenland geht indes weiter, mehr als 300 kamen zuletzt auf den griechischen Inseln an. (Seite 4)
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