Euros nach Athen tragen

Griechenlands Reformliste ist fertig. Ob sie genehmigt und damit der Geldhahn für das von der Pleite bedrohte Land geöffnet wird, ist unklar. Das Wort haben jetzt die Geldgeber-Kontrolleure. Die Kassen in Athen sind fast leer.

Die griechische Regierung schlägt Alarm: Sollten nicht bald Finanzhilfen der internationalen Geldgeber fließen, werde das Land seine Verpflichtungen ihnen gegenüber nicht erfüllen können. Die Regierung habe "auf allen Ebenen der Eurozone und auch dem IWF (Internationaler Währungsfonds)" klar gemacht, dass Griechenland "seine Schulden nicht mehr ausschließlich aus eigenen Quellen werde zahlen können", hieß es am Freitag aus Kreisen, die Ministerpräsident Alexis Tsipras nahe stehen. Athen habe seit Mitte 2014 keine Finanzhilfen mehr erhalten. Seither komme es seinen Verpflichtungen nach, indem es die Einlagen unter anderem von Rentenkassen und staatlichen Institutionen "plündert". Mittlerweile seien auch diese Kassen leer, sagten die Regierungskreise.

Die griechische Regierung stellte unterdessen ihre mit Spannung erwartete Reformliste fertig. Wie der Sprecher der Parlamentsfraktion der regierenden Linkspartei Syriza, Nikos Filis, sagte, wollten drei enge Mitarbeiter von Finanzminister Gianis Varoufakis am Freitag nach Brüssel reisen, um die Liste den Experten der Geldgeber zu präsentieren. "Ja, die Liste ist fertig", sagte Filis. Auf ihr stünden 18 Maßnahmen, die Athen etwa 3,5 Milliarden Euro brächten. Andere Regierungsquellen sprachen von drei Milliarden Euro. Kürzungen von Gehältern und Renten stünden nicht auf der Reformliste, hieß es.

Mehr als drei Viertel der Deutschen sprechen sich unterdessen einer Umfrage zufolge gegen Entschädigungszahlungen an Griechenland für Verbrechen der Nationalsozialisten aus. 78 Prozent der Befragten sind gegen Reparationen, 15 Prozent befürworten diese, wie aus dem am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" hervorgeht. Der Rest ist in der Frage unentschlossen. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland bezeichnen ein Drittel als gut und fast zwei Drittel als schlecht.
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