Ex-BKA-Chef Ziercke zeigt bei harter Befragung im Edathy-Ausschuss Nerven
"Wie verrückt ist das?"

Der ehemalige Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke. Bild: dpa
Der frühere Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, hat den Vorwurf von sich gewiesen, unerlaubt Informationen zu den Kinderporno-Ermittlungen gegen Sebastian Edathy an SPD-Politiker weitergegeben zu haben. Das hatte der ehemalige SPD-Abgeordnete Edathy behauptet. Ziercke warf Edathy am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestages "Arroganz" und "Realitätsferne" vor. Der frühere BKA-Chef sagte als Zeuge zunächst stundenlang souverän und detailliert aus. Doch dann stockte plötzlich seine Stimme. Was ihn sichtlich nervös machte, war eine Frage des Abgeordneten Frank Tempel (Linke).

Frage nach Anwalt

Tempel bat Ziercke, noch einmal den Inhalt eines Telefonats mit dem heutigen SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, das am 17. Oktober 2013 geführt worden sein soll, zu schildern. Erst weigerte sich Ziercke zu antworten und verwies stattdessen auf den Wortlaut einer früheren Aussage zu dem Thema, die er 2014 im Innenausschuss gemacht hatte. Dann warf er die Frage auf, ob er nun womöglich einen Rechtsbeistand benötige. Schließlich gab er den Inhalt des Telefonats knapp wieder. Er sagte, Oppermann habe ihn gebeten, zu bestätigen, dass gegen Edathy ermittelt werde. Er habe darauf geantwortet: "Das kommentiere und dementiere ich nicht." Der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz hatte das Telefonat zwischen Ziercke und Oppermann, das auch schon einmal im Innenausschuss Thema war, später mit den Worten zusammengefasst: "Zwei Männer schweigen sich an, und beide wissen danach Bescheid." Der Ausschuss wollte von SPD-Mitglied Ziercke zudem konkret wissen, ob er an den SPD-Abgeordneten Michael Hartmann unerlaubt Informationen über die Ermittlungen gegen Edathy weitergegeben habe. Ziercke betonte, er habe mit Hartmann, den er sehr schätze, nie über die seit 2013 laufenden Ermittlungen gegen Edathy gesprochen. Edathy muss sich ab Februar in Niedersachsen wegen des Besitzes von Kinderpornos vor Gericht verantworten. Er hatte die vergangenen Monate größtenteils im Ausland verbracht.

"Unsympathisch"

Ziercke betonte, er habe den Innenpolitiker Edathy von Anfang an "unsympathisch" gefunden. Er habe also keinerlei Veranlassung gehabt, ihn auf dem Umweg über Hartmann vor den Ermittlungen zu warnen und dadurch womöglich seine eigene Karriere zu gefährden. "Wie verrückt ist denn das eigentlich?" Edathy versuchte bei seiner zweiten Zeugenaussage, Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit auszuräumen. Zu seinem angeblich starken Alkoholkonsum Anfang 2014 sagte der Ex-Politiker am Donnerstagabend vor dem Ausschuss, dieser sei im Vergleich zum durchschnittlichen Konsumverhalten der Abgeordneten "eher unterdurchschnittlich" gewesen. (Kommentar)
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