Fakten bestätigen Deutschland als Einwanderungsland
Wurzeln im Ausland

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Jeder Fünfte in Deutschland hat ausländische Vorfahren. 2013 stieg die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund so stark wie noch nie seit Einführung der Statistik. Gut so, sagen Experten. Aber Probleme bleiben.

Rund 16 Millionen Menschen mit ausländischen Wurzeln leben mittlerweile in Deutschland: jeder fünfte Mitbürger. Die Zahl stieg 2013 um 3,8 Prozent - "der größte Zuwachs gegenüber dem Vorjahr seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005", wie das Statistische Bundesamt am Freitag verkündete. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe: Die Zahl der Zuwanderer wächst, und Migrantenfamilien haben mehr Kinder.

Die neuen Zahlen sind so präzise wie nie zuvor: Erstmals flossen Erkenntnisse aus der Volksbefragung von 2011 ein, dem Zensus. Bis dato mussten sich die Statistiker mit dem Mikrozensus begnügen, für den nur ein Prozent der Bevölkerung befragt und dann hochgerechnet wird. Destatis-Mitarbeiter Joscha Dick erklärt, wer eigentlich zu dieser Bevölkerungsgruppe gehört: nämlich alle seit 1950 nach Deutschland Zugewanderten und deren Nachkommen sowie alle Ausländer. Je nach Definition waren das 15,9 Millionen oder 16,5 Millionen Menschen. 60 Prozent haben einen deutschen Pass. Rund ein Drittel ist in Deutschland geboren. "Der Satz 'Deutschland ist ein Einwanderungsland' wird durch die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts mit Fakten belegt", sagt Aydan Özoguz (SPD), die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung. "Unser Land ist so vielfältig wie nie zuvor." Allerdings gilt das nicht überall. "Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall unterscheiden sich die alten und neuen Bundesländer sehr deutlich", erläutert Dick. 97 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund leben im früheren Bundesgebiet und in Berlin. Der Anteil an der Bevölkerung ist entsprechend unterschiedlich, am geringsten in Thüringen: magere 4 Prozent. Das hat auch Konsequenzen für die Zukunft. Ludger Pries, stellvertretender Vorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, sagt: "Einwanderung hat sich zum wichtigsten Faktor für das Kompensieren des Bevölkerungsrückgangs entwickelt."

Immer besser ausgebildet

Lange Zeit habe beim Thema Zuwanderung in den Köpfen eine "Defizitorientierung" vorgeherrscht, ob in der Politik oder in der Bevölkerung. "Davon müssen wir wegkommen", sagt Pries. Das alte Bild: der ungelernte Gastarbeiter aus Südeuropa.

"Seit den 1990er Jahren kommen aber immer mehr Zuwanderer aus Mittel- und Osteuropa, die gut ausgebildet sind." Die Türkei bleibt das wichtigste Herkunftsland (13 Prozent), danach folgen Polen (11 Prozent), die Russische Föderation (9 Prozent), Kasachstan (7 Prozent) und Rumänien (4 Prozent).

Die Bundesregierung habe viel getan, um diese Menschen zu integrieren, sagt Özoguz, gibt aber auch zu: "Es bleibt viel zu tun. Weiterhin schaffen wir es beispielsweise nicht, Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft einen ihrem Potenzial entsprechenden Bildungserfolg zu ermöglichen. Weder in der Schule noch auf dem Ausbildungsmarkt."
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