Fiasko für Hardliner in Teheran
Reformer im Iran in Führung

Farbe bekennen: Junge Frauen zeigen die Tinte, die belegt, dass sie bereits gewählt haben. Bei den Wahlen im Iran schnitten die Reformer nach bisherigen Auszählungen gut ab. Bild: dpa

Teheran. Bei der iranischen Parlamentswahl haben die Reformer um Präsident Hassan Ruhani nach einem vorläufigen Ergebnis alle 30 Mandate der Hauptstadt Teheran gewonnen. Das geht aus Angaben des iranischen Innenministeriums vom Sonntag hervor. Damit trifft die Wahlpleite der Hardliner auch Spitzenkandidaten. "Ihr habt mit euren Stimmen die neue Ära im Land selbst ermöglicht, und ich verbeuge mich vor euch mit Ehrfurcht", schrieb Präsident Ruhani am Sonntag auf seiner Twitter-Seite.

Nach Angaben des Innenministeriums droht auch dem Politiker Gholam-Ali Hadad-Adel das Aus. Der führende Kandidat der Hardliner in der Hauptstadt ist auf Platz 31 abgerutscht und hätte demnach keinen Sitz im Parlament. Teheran hat mit 30 Mandaten die meisten - und politisch wichtigsten - der 290 Sitze im Parlament. Alle Abgeordneten, auch die aus Teheran, müssen aber mehr als 25 Prozent der Stimmen erhalten, damit sie schon im ersten Wahlgang gewählt sind. Sonst müssen sie sich einer Stichwahl stellen. In dem Fall hätten Hadad-Adel und die Hardliner noch eine zweite Chance.

Die Reformer haben bei der Wahl am Freitag auch landesweit gut abgeschnitten. Nach noch unbestätigten Medienberichten sind mehr als 65 Prozent der Sitze in ihrer Hand. Die Hardliner haben sich in einigen Dörfern und Kleinstädten durchgesetzt. Diese haben aber politisch weitaus weniger Bedeutung als die Sitze für Teheran. Auch im mächtigen Expertenrat führen die Reformer mit ihren beiden Spitzenkandidaten - dem ehemaligen Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani und jetzigen Präsidenten Hassan Ruhani - auf Platz 1 und 2. Dagegen ist der Spitzenkandidat der Hardliner, Ajatollah Mesbah Jasi, nicht unter den ersten 16. Der Bezirk Teheran stellt 16 der insgesamt 88 Sitze. Der Expertenrat ist für die Ernennung oder Abwahl des obersten Führers zuständig.

"Wen das Volk nicht will, der muss gehen, dagegen kann man nichts machen", schrieb Rafsandschani am Sonntag auf seiner Instagram-Seite. Besonders für Rafsandschani war der Wahl-Triumph eine Genugtuung. Wegen seiner Unterstützung für die Reformer war er von den Hardlinern als Dissident degradiert worden, obwohl er als einer der Architekten der islamischen Republik gilt. Beide Wahlen waren eine herbe Pleite für die Hardliner, die 12 Jahre lang das Parlament und schon immer den Expertenrat dominiert hatten.
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