Flüchtlinge mit Pässen aus IS-Quellen
Migranten bleiben verschwunden

Ein syrischer Pass. Mehrere Personen sollen mit falschen syrischen Papieren nach Deutschland eingereist sein. Archivbild: dpa

Die Terrormiliz IS hat in Syrien im großen Stil Pässe erbeutet. Nun sollen in Deutschland Flüchtlinge mit solchen Dokumenten aufgetaucht sein. Die Polizei hat die Papiere kopiert, doch die Migranten sind seither verschwunden.

München/Berlin. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat am Dienstag bestätigt, dass mehrere Personen mit falschen syrischen Papieren nach Deutschland eingereist seien. Deren Reisepässe stammten aus der gleichen Quelle, wie jene zweier Pariser Attentäter vom 13. November. Der Innenminister sagte in München, die Reisepässe hätten ähnliche Seriennummern wie syrische Pässe, die von der Terrormiliz Islamischer (IS) erbeutet worden seien.

Den Sicherheitsbehörden des Bundes zufolge seien im Oktober und November ein Dutzend Personen mit diesen Dokumenten eingereist. "Das weiß man, weil man damals Kopien dieser Pässe gemacht hat", sagte Herrmann. Fingerabdrücke seien nicht genommen worden. "Ein Anfangsverdacht, dass es sich da um weitere Leute, die auch vom IS geschickt worden sind, handeln könnte, der liegt natürlich nahe; er muss zumindest aufgeklärt werden." Leider wisse man im Moment nicht, wo die Betreffenden nun seien. Herrmann nannte es "höchst unbefriedigend", wenn Flüchtlinge nicht unmittelbar nach ihrer Einreise komplett erfasst würden. Jeder müsse "sofort vollständig registriert werden mit Fingerabdrücken". Man müsse davon ausgehen, dass IS-Terroristen versuchen könnten, sich unter Flüchtlinge zu mischen. "Dessen muss man sich gewahr sein."

Markt für Dokumente


Angesichts der Vielzahl an erbeuteten Pässen weisen Sicherheitskreise aber darauf hin, dass eine Einreise mit falschen Papieren aus einer IS-Quelle keineswegs zwingend bedeuten muss, dass die jeweilige Person von der Terrormiliz geschickt wurde. Es gebe allgemein einen großen Markt für gefälschte Papiere. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder vor, dass sich Flüchtlinge fälschlicherweise als Syrer ausgaben oder mit falschen Papieren einreisten. Viele Asylsuchende kommen aber ohnehin ganz ohne Ausweisdokumente nach Deutschland. Das Bundesinnenministerium wollte sich auf dpa-Anfrage nicht näher zu dem "Bild"-Bericht äußern. Ein Sprecher erklärte allgemein, die Sicherheitsbehörden seien seit langem sensibilisiert, dass beim Flüchtlingszuzug auch falsche Dokumente zum Einsatz kommen könnten. Syrische Pässe würden daher besonders sorgfältig geprüft. Es sei nicht auszuschließen, dass unter den Flüchtlingen auch Schlepper, Menschenhändler, Kriegsverbrecher, Mitglieder militanter oder terroristischer Gruppen oder extremistische Einzelpersonen seien. Solchen Hinweisen gingen Polizei und Verfassungsschutz in jedem Fall nach. "Dies führte bisher zur Einleitung von Ermittlungsverfahren im unteren zweistelligen Bereich."

Zwei Pariser Attentäter sollen vom IS als Flüchtlinge nach Europa eingeschleust worden seien. Sie waren auf dem Weg nach Frankreich auf der griechischen Insel Leros kontrolliert worden. Bei ihren Reisedokumenten handele es sich um gestohlene Original-Pässe aus der IS-Hochburg Al-Rakka, die von Fälschern auf andere Identitäten ausgestellt worden seien, berichtet die "Bild"-Zeitung.

Blanko-Papiere erbeutet


Die Terrororganisation IS hat in Syrien, Irak und Libyen in mehreren Städten die offiziellen Behörden übernommen und zahlreiche echte Passdokumente erbeutet - der "Welt am Sonntag" zufolge mutmaßlich Zehntausende. Bereits im März war bekannt geworden, dass dem IS vor eineinhalb Jahren in Al-Rakka rund 3800 syrische Blanko-Reisepässe in die Hände fielen.
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