Flüchtlingsandrang
Polizei nimmt wieder mehr Schleuser fest

Eine Polizistin winkt nahe der österreichischen Grenze an der B 12 bei Kirchdorf am Inn ein Fahrzeug auf einen Parkplatz. Wer kontrolliert wird und wer nicht, entscheiden die Beamten nach Bauchgefühl - wer Tätowierungen, einen Bart oder lange Haare hat, muss mit einer Kontrolle rechnen. Bild: dpa

Zu Jahresbeginn hatte sich die Lage an der Grenze zu Österreich etwas entspannt. Inzwischen steigt die Zahl der Flüchtlinge wieder. Die Polizei kontrolliert wieder strenger, deshalb gehen ihr mehr Menschenschmuggler ins Netz.

Kirchdorf am Inn. Ein Dutzend Flüchtlinge sitzt am frühen Montagmorgen am Straßenrand der B 12 kurz hinter der bayerisch-österreichischen Grenze. Zu diesem Zeitpunkt baut die Polizei nur wenige Kilometer weiter eine Schwerpunktkontrolle auf. Der Schleuser der Flüchtlinge hat wohl von der Kontrolle gewusst, die Menschen kurz vor dem Parkplatz abgesetzt und das Weite gesucht. "Die Schleuser kennen unsere festen Kontrollstellen. Sie setzen die Flüchtlinge dann einfach am Straßenrand aus und verschwinden", sagt Schleierfahnder Josef Krapf. Im Schritttempo schleichen die Fahrzeuge auf der B 12 an ihm vorbei. Krapf hat nur einen kurzen Moment Zeit für einen Blick in das Fahrzeuginnere. Dann funkt er an seine etwa 100 Meter entfernt stehende Kollegin: "Der rote Transporter." Die Polizistin winkt mit der rot-weißen Kelle, und der Kleinlaster muss auf den Parkplatz fahren.

Bärte und lange Haare


"Ich entscheide mit Fingerspitzengefühl und Erfahrung, wer kontrolliert werden soll", berichtet Krapf, der seit 1989 Schleierfahnder ist. Transporter mit ausländischen Kennzeichen sind besonders verdächtig, aber auch Fahrer mit Bärten, langen Haaren und Tätowierungen bekommen oft die Polizeikelle zu sehen. Bei der Großkontrolle geht es nicht nur um illegale Einreise, sondern auch um Diebstähle, Terrorabwehr und das allgemeine Sicherheitsgefühl für die Bürger, wie der Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern, Armin Angloher, betont.

Insgesamt haben die Schleusungen an der bayerisch-österreichischen Grenze einige Monate nach der Schließung der Balkanroute wieder zugenommen. Im April wurden etwa 850 nachweislich geschleuste Flüchtlinge aufgegriffen, im Januar waren es lediglich 90 geschleuste Migranten gewesen, wie die Bundespolizeidirektion München am Montag mitteilt. Seit einigen Wochen werden auch wieder mehr Schleuser erwischt: Wurden in den Monaten Januar bis März jeweils etwa 50 Schleuser festgenommen, waren es im April rund 80.

Insgesamt sind laut Bundespolizeidirektion in den ersten vier Monaten dieses Jahres 53 300 unerlaubte Einreisen in Bayern festgestellt worden, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 12 500. "Die Lage hat sich keineswegs beruhigt", betont Behördensprecher Thomas Borowik. Das bayerische Innenministerium erklärt, dass Personenkontrollen an den Binnengrenzen so lange fortgesetzt werden, bis ein wirksamer Schutz der EU-Außengrenzen gewährleistet ist. Ein bloßes Durchwinken sei nicht hinnehmbar. Und so wird jedem die Einreise nach Deutschland verweigert, der kein Visum besitzt und Deutschland als Transitland für ein Asylbegehren in einem anderen EU-Mitgliedstaat nutzen will.

Überschaubarer Erfolg


Der Erfolg der Großkontrolle am Montag ist überschaubar. Bis zum Mittag wird lediglich ein möglicherweise unterschlagener Anhänger registriert - von illegalen Einreisen oder gar Schleusern keine Spur.

Die Kontrollierten sind gelassen. Gabor Helyes aus Ungarn arbeitet seit fünf Jahren in Bayern für einen Fleischlieferanten. Wöchentlich fährt er auf der B 12. An diesem Montag hat er fünf Arbeitskollegen in seinem Transporter. "Ich werde fast immer kontrolliert. Das ist aber in Ordnung", betont Helyes. Auch Erich Kaiser aus dem benachbarten Simbach am Inn wird kontrolliert. "Die Schlepper setzen die Menschen einfach an der Straße raus", sagt er. Die Kontrollen sind vonnöten."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.