Flüchtlingsdrama in Griechenland
Gefährliche Zuspitzung in Idomeni

Busse der mazedonischen Grenzpolizei, umringt von Flüchtlingen. Mit Tränengas gingen die Polizisten am Sonntag gegen Migranten vor. Bild: dpa

Verzweifelter Sturm auf die Grenze: Von Flugblättern angestachelt, haben Migranten aus dem griechischen Idomedi versucht, nach Mazedonien durchzukommen. Sie wurde mit Tränengas und Gummigeschossen empfangen.

Athen. Hunderte Flüchtlinge und Migranten in Nordgriechenland haben vergeblich versucht, den Grenzzaun zu Mazedonien zu durchbrechen und ihre Weiterreise nach Westeuropa zu erzwingen. Mazedonische Grenzschützer feuerten am Sonntag Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse in die Menge, um den Ansturm zurückzudrängen, wie Augenzeugen schilderten. Es gab mehr als 300 Verletzte - das berichten griechische Medien unter Berufung auf die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen". Die Menschen kamen überwiegend aus dem wilden Camp im Grenzort Idomeni. Zu der Aktion war in anonymen Flugblättern aufgerufen worden. In Idomeni campieren seit Wochen rund 11 000 Migranten, die auf eine Öffnung der Balkanroute Richtung Nordwesten hoffen.

Auch Kinder betroffen


"Atemnot, tränende Augen - viele Menschen wurden verletzt zurück ins Lager gebracht", berichtete die Chefredakteurin der "Deister- und Weserzeitung", Julia Niemeyer, die vor Ort war. Die mazedonische Polizei habe das Tränengas immer weiter über die Grenze gefeuert. Schließlich habe der Wind gedreht und die Gaswolke direkt ins Lager Idomeni getragen, berichtete Niemeyer. Auch Kinder seien von dem Gas betroffen gewesen. Die griechische Polizei habe nicht eingegriffen.

Kritik vom Krisenstab


Das mazedonische Innenministerium erklärte zu dem Einsatz: "Die Polizei hat Tränengas eingesetzt, um die Menge zu zerstreuen und die Ordnung wiederherzustellen." Eine kleinere Zahl von Flüchtlingen sei nach Mazedonien gelangt, sie seien aber nach Griechenland zurückgeschickt worden.

Kritik an der Reaktion Mazedoniens kam vom griechischen Krisenstab für die Flüchtlingskrise. Der Einsatz von Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschossen sei verwerflich. Auch an die Flüchtlinge wandte sich der Krisenstab mit der erneuten Bitte, den Gerüchten über eine mögliche Grenzöffnung keinen Glauben zu schenken. Diese Gerüchte in die Welt zu setzen, sei kriminell.

Ein-Euro-JobberTausende Flüchtlinge in Bayern haben einen sogenannten Ein-Euro-Job. Zwischen August 2015 und Januar 2016 habe es 9157 solcher Stellen gegeben, teilte das Sozialministerium am Sonntag in München mit. Asylbewerbern kann eine entsprechende Arbeitsstelle auch verpflichtend zugewiesen werden. Lehnen sie diese ohne wichtigen Grund ab, können ihre Leistungen gekürzt werden. Die Asylbewerber übernehmen gemeinnützige Aufgaben im Umfang von wöchentlich maximal 20 Stunden. (dpa)
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