Frank-Walter Steinmeier wird 60 Jahre alt
Der ewige Außenminister

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Bild: dpa

Berlin. Es liegt noch gar nicht so lange zurück, dass Frank-Walter Steinmeier Geburtstag feierte. Den fünften. Im Spätsommer war es genau fünf Jahre her, dass er seiner Frau Elke Büdenbender eine Niere gespendet hatte. Beiden geht es gut heute. Darum zählt im Hause Büdenbender-Steinmeier, wozu auch eine inzwischen erwachsene Tochter gehört, der 24. August zu den Geburtstagen dazu.

Jetzt allerdings ist Deutschlands Außenminister allein an der Reihe - mit einem Termin, der ihm weniger Freude macht. Heute wird der SPD-Mann 60 Jahre alt. Für Spitzenpolitiker ist der 60. weniger schlimm als für Bundesliga-Trainer oder Vorstandschefs. Aber auch in der Politik ist das der runde Geburtstag, an dem man zum ersten Mal so richtig an die Endlichkeit der eigenen Karriere erinnert wird.

Auf den ersten Plätzen


Auch Steinmeier tut sich damit schwerer als mit bisherigen Geburtstagen. Als sein Parteifreund Martin Schulz, Präsident des Europaparlaments, im letzten Monat 60 wurde, schrieb Steinmeier: "Lass Dich von dieser Zahl nicht beeindrucken und vergiss sie ganz schnell wieder." Plan ist, sich diese Empfehlung auch selbst zu Herzen nehmen. Dabei steht der Außenminister - so viel lässt sich sagen, ohne sich der Lobhhudelei verdächtig zu machen - heute ziemlich ordentlich da. Wenn nach Deutschlands beliebtesten Politikern gefragt wird, belegt der Westfale mit dem weißen Haar regelmäßig Platz eins oder zwei. Daran, dass Deutschland in der Weltpolitik wichtiger geworden ist, hat Steinmeier einigen Anteil. Damit, dass Angela Merkel zuhause wie im Ausland stets häufiger gewürdigt wird, hat er zu leben gelernt. Wie mit der Tatsache, dass er 2009 als Kanzlerkandidat gegen sie nur 23 Prozent holte - immer noch das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der SPD. Dafür ist das Verhältnis der beiden erstaunlich unkompliziert.

Gefühlt ist Steinmeier fast schon so lange Außenminister wie Merkel Kanzlerin. Dass er zwischendurch an der Spitze der SPD-Bundestagsfraktion stand, haben viele vergessen. Mit bald sechs Jahren ist Steinmeier nun länger im Auswärtigen Amt als Willy Brandt und Walter Scheel. In den nächsten Monaten kann er Klaus Kinkel und Joschka Fischer überholen. Dann liegt nur noch Hans-Dietrich Genscher vor ihm.

Nachfolger Gaucks?


Außenminister also auf ewig? Natürlich nicht, trotz allem. In Berlin gehört es schon länger zu den Personalspekulationen der beliebteren Art, sich Steinmeier auch auf anderen Posten vorzustellen. Zum Beispiel als Staatsoberhaupt, falls Joachim Gauck auf eine zweite Amtszeit verzichten sollte. Auch Genscher lobte kürzlich: "Steinmeier wäre ein guter Bundespräsident." Der allerdings ließ einen Bericht, wonach er diskret damit begonnen habe, seine Chancen auszuloten, vor einer Weile sehr hart dementieren. Inzwischen hat er eine gewisse Routine entwickelt, die Fragen nach dem höchsten Staatsamt abzublocken.

Eine Rolle bei Steinmeiers Überlegungen über die eigene Zukunft spielt gewiss, dass Merkels Bereitschaft, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl 2017 einen Sozialdemokraten zum Präsidenten zu machen, eher gering sein dürfte. Auf eine Bewerbung von Gnaden der Linkspartei, angewiesen auch auf die Grünen, will er sich nicht einlassen. Oder die andere Variante: Falls Sigmar Gabriel - aus welchen Gründen auch immer - auf die SPD-Kanzlerkandidatur verzichtet, doch noch ein zweiter Versuch? In allen Umfragen schlägt der Außenminister seinen Parteichef um Längen. Zu bedeuten haben die Beliebtheitswerte allerdings nicht viel. Steinmeier hat das 2009 schmerzhaft gelernt. Lust auf eine Wiederholung hat er nicht.

Die wahrscheinlichste Variante ist deshalb eher, dass Steinmeier bleibt, was er ist. Und vielleicht noch etwas anderes wird, was er in der ersten großen Koalition unter Merkel schon einmal war: Vizekanzler. Sollte Gabriel nach den bevorstehenden Landtagswahlen das Bundeskabinett verlassen, um sich auf die Kanzlerkandidatur zu konzentrieren, wäre Steinmeier gesetzt. Genschers Rekord von 18 Jahren im Auswärtigen Amt wird allerdings auch Steinmeier nicht brechen. Es sei denn, er bliebe bis 2028.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.