Frankreichs Départements haben abgestimmt: Erneut eine Schlappe für die Sozialisten von ...
Wahlen im Schatten der Katastrophe

François Hollande. Bild: dpa
Die Einwohner von Seyne-les-Alpes haben derzeit andere Sorgen als Wahlen. Auch im Rest Frankreichs war die zweite Runde der Entscheidungen in den Départements vom Airbus-Absturz überlagert. Teils wurde der Wahlkampf zwischen erster und zweiter Runde ausgesetzt. Gewählt wurde dennoch. Der Ausgang der Wahlen in der Fläche entwickelte sich zu einem neuerliche Desaster für die Sozialisten von Präsident François Hollande.

In Seyne waren 1195 Wählerinnen und Wähler am Sonntag aufgefordert, die neue Zusammensetzung im Département zu bestimmen. Landesweit wurden Parlamente gewählt für die rund 100 regionalen Verwaltungseinheiten, etwa den deutschen Landkreisen vergleichbar. Die Départements haben im zentralistisch organisierten Frankreich zwar wenige Kompetenzen. Aber die Wahl galt auch als Stimmungstest für das Land.

Schon früh zeichnete sich wieder ab: Die Leute gehen nicht zur Wahl. Wie in der ersten Runde einer Woche zuvor schaffte es nur jeder zweite in die Wahllokale. Der Frust über Krise, Schulden, Arbeitslosigkeit wird beim unbeliebten Präsidenten Hollande (60) abgeladen. Seine Sozialisten sind inzwischen auf Platz drei in der Fläche abgerutscht. Nach der Schlappe bei den Kommunalwahlen im März 2014 und der EU-Entscheidung zwei Monate später bricht der Linken eine weitere Basis weg. Im Wahlkampf überließ Hollande seinem etwas weniger unbeliebten Premierminister Manuel Valls (52) die Vorkämpferrolle. Doch auch Valls musste am Sonntagabend die Niederlage der Linken einräumen.

Den Frust über schlechte Wirtschaftszahlen und unbeliebte Regierung hat ein alter Bekannter für sein Comeback genutzt: Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist zurück. Als Parteichef schaffte er mit der noch immer zerstrittenen konservativen UMP Wahlerfolge, nun auch in den Départements. Als Ziel des 60-Jährigen, 2012 gegen Hollande abgewählt, gilt eine Präsidentschaftskandidatur 2017. In der UMP hätte er dafür wohl eine Mehrheit, in landesweiten Umfragen liegt allerdings ein parteiinterner Kontrahent vorn: der frühere Premierminister Alain Juppé (69) hat seine Kandidatur bereits verkündet.

Als dritter Machtblock im Land etabliert sich zunehmend die rechtsextreme Front National. Die Partei von Marine Le Pen hat zuletzt eine ganze Serie von Wahlerfolgen eingefahren. Le Pen hat ein Ziel vor Augen, das ihr und der Partei nach dem guten Abschneiden in weniger beachteten Parlamenten deutlich mehr Einfluss sichern würde: die Präsidentenwahl 2017 und die Macht im Élyséepalast.
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