Frauen bekommen wieder mehr Kinder
Familien-Fieber

Die Frauen in Deutschland bekommen wieder mehr Kinder. Fachleute sehen eine Trendwende. Gibt es eine Renaissance der Familie?

Wiesbaden. Die Geburtenrate in Deutschland ist so hoch wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr. "Wir haben eine Trendwende bei den Geburtenzahlen", sagt Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden. Allerdings: Selbst die durchschnittlich 1,50 Kinder pro Frau, die laut Statistischem Bundesamt 2015 erreicht wurden, reichen nicht, um das Schrumpfen der Bevölkerung aufzuhalten. Dafür wären rechnerisch 2,1 Kinder notwendig. Damit Paare mehr Kinder bekommen, muss nach Einschätzung von Fachleuten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch besser werden. Aber nicht nur die.

Bujard hält einen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel für notwendig. Denn: "Im Vergleich zu Frankreich, Schweden oder den USA fehlt uns oft das dritte Kind", sagt der Forschungsdirektor. "In Deutschland ist die Zwei-Kind-Norm dominierend." Einen Grund für den Anstieg der Geburtenrate sieht der Wissenschaftler in der Familienpolitik. Aber: "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss stetig verbessert werden und in die Qualität der Kinderbetreuung investiert werden."

Die Kinderzahl der Ausländerinnen (von 1,86 auf 1,95 pro Frau) habe 2015 wesentlich zum Anstieg der Geburtenrate in Deutschland beigetragen, stellen die Statistiker fest. Die deutschen Frauen kamen dagegen nur auf durchschnittlich 1,43 Kinder - nach 1,42 im Jahr zuvor.

Die Zahl der Geburten ausländischer Frauen werde etwas überschätzt, die deutscher Frauen etwas unterschätzt, sagt Bujard. "Das Alter der Frauen bei der Geburt verzerrt dies." Denn deutsche Mütter waren bei der Geburt 2015 im Schnitt noch einmal etwas älter als im Jahr zuvor (gut 31 Jahre), ausländische dagegen etwas jünger (rund 30 Jahre). Klüsener stimmt zu: "Geburtenziffern von Zugewanderten sind oft künstlich nach oben verzerrt, da häufig zunächst der Mann einwandert." Die Frau werde erst nachgeholt, wenn der Mann sich etabliert habe. "Dann werden aufgeschobene Kinderwünsche schnell nachgeholt." Sebastian Klüsener vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock plädiert neben der Familienpolitik vor allem für "eine Willkommenskultur für Kinder". "Viele Menschen in Deutschland würden gerne zwei Kinder bekommen. Insofern scheint eine Lücke zwischen der angestrebten und der erreichten Zahl zu bestehen," meint Klüsener.
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