Freitalerin Steffi Brachtel für Engagement um Flüchtlinge ausgezeichnet
Zivilcourage-Preis für Sächsin

Steffi Brachtel ist für ihren Einsatz für Flüchtlinge in Freital mit dem Preis für Zivilcourage ausgezeichnet worden. Bild: dpa

Dresden. (dpa/KNA) Als Steffi Brachtel erzählt, wie sie zu ihrem Engagement für Flüchtlinge kam, spielt die 41-Jährige mit ihrer Kette. Der Schriftzug darauf: "Refugees welcome" - Flüchtlinge willkommen. "Die trage ich immer bei mir", sagt Brachtel. Seit zwei Jahren hilft die Kellnerin in Freital bei Dresden Flüchtlingen bei der Integration und bekämpft Hass-Kommentare mit Fakten.

Heute wurde Steffi Brachtel dafür in Berlin geehrt - mit dem Preis für Zivilcourage des Förderkreises "Denkmal für die ermordeten Juden Europas". Brachtels Engagement für Flüchtlinge und gegen Pegida sei beispielhaft, sagte Vorsitzende Lea Rosh; und obwohl sich Freunde und Verwandte von ihr abgewandt hätten, engagierten sie und ihr Sohn (17) sich weiterhin. Die Auszeichnung für Aktivitäten gegen Rassismus ist mit 3000 Euro dotiert, auch Kanzlerin Angela Merkel sprach bei der Verleihung. Die Freitalerin spricht von einem "Wow-Erlebnis", das ihr Kraft gebe. "So ganz schlecht ist es vielleicht doch nicht, was ich mache."

Den Kampf gegen Rechte und Fremdenfeinde bezeichnet sie als "Kampf gegen Windmühlen". Alles begann vor zwei Jahren. Ein Facebook-Freund von Brachtel postete ein Comic, in dem der Sohn den Vater fragt, warum es bei "Star Wars" keine Moslems gebe. Antwort: "Weil Star Wars in der Zukunft spielt." Für sie sei da eine Grenze überschritten worden, sagt Brachtel. Mit ihrem Sohn kommentierte sie den Post kritisch - und wurde aus der Freundesliste gelöscht. Brachtel fing sie an, rechte Kommentare zu bekämpfen, zu Demonstrationen zu gehen, an Menschlichkeit zu appellieren. Sie betreut Kinder im Heim, hilft den Flüchtlingen bei Behördengängen.

Die Kehrseite: Sie wird beschimpft und niedergeschrien, ihr Briefkasten in die Luft gesprengt. Es sind kleine Dinge, die ihr Kraft geben: Der Dank von Flüchtlingen oder "wildfremde Leute", die ihr auf Facebook Respekt zollen. Weitermachen will Brachtel auf jeden Fall. Ihre Devise: "Wer schweigt, stimmt zu."
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