Freizeitsee in Dießfurt
Das Müll-Idyll

Was vom Badetag bleibt: Müllberge am Stand des Dießfurter Freizeitsees. Bild: xs
 
Hunderte suchten am Wochenende am Freizeitsee Abkühlung und Erholung. Nicht alle nahmen ihren Müll danach wieder mit. Bild: mor

Dießfurt. (wüw) Immer mehr Badegäste suchen am Freizeitsee Erholung, aber immer weniger entsorgen hinterher ihren Müll. Stadt und Polizei kennen das Problem, auf die Schnelle lösen können sie es nicht.

Wenn es warm wird am Freizeitsee, dann kommen die Mücken - und die Scherben und Hundehaufen. Seit Jahren besucht Sabine Kirsch von Mai bis September täglich den Badesee im Kiesabbaugebiet. Es gefällt ihr, die Natur und die Veränderung der Jahreszeit von Frühling bis Herbst zu beobachten. Seit zwei Jahren beobachtet die Grafenwöhrerin aber auch den Müll beim Mehr werden. Kirsch macht sich Sorgen um dem See. Als idyllisch, ruhig und rein lernte sie ihn einst kennen, immer häufiger erinnere sie der Weiher und seine Umgebung inzwischen an eine Müllkippe.

Als Tiefpunkt empfand sie das vergangene Wochenende. "So schlimm war es noch nie." Die Hitze lockte Hunderte an den See. Als die Badegäste verschwunden waren, blieben Haufen von Müll zurück. "Die haben ganze Campingausrüstungen zurückgelassen", berichtet Kirsch. Defekte Stühle, Tische oder Grills: Eine komplette Sperrmüllsammlung blieb neben Flaschen und anderen Verpackungen liegen. Was nicht in die Mülleimer passte, legten die Badegäste daneben ab, viele machten sich nicht mal diese Mühe und ließen ihren Unrat einfach da liegen, wo sie zuvor ihr Handtuch ausgebreitet hatten. Dazu beobachtet Kirsch immer häufiger Hundebesitzer, die trotz Verbots mit ihren Tieren über die Liegefläche spazieren oder sie auch ins Wasser lassen. "Überall liegen Haufen." Dazu kommen die Reste nächtlicher Feste: Feuerstellen abseits der Grillplätze und Glasscherben, die das Barfußlaufen langsam unmöglich machen.

Mehr Kontrollen gewünscht

Eine Satzung der Stadt Pressath regelt inzwischen, was man am Freizeitsee darf. Kirsch wünscht sich, dass Stadt und Polizei stärker überwachen, dass die Badegäste diese Satzung auch einhalten. Die Hoffnung auf Apelle ans schlechte Gewissen hat Kirsch längst aufgegeben. "Wenn es keine Strafen gibt, dann hält sich keiner an die Regeln." Bei Stadt und Polizei kennt man das Problem, eine schnelle Lösung können beide nicht bieten. "Die Mitarbeiter des Bauhofs sorgen im Sommer täglich für Ordnung", sagt Bruno Münster. Allerdings seien deren Möglichkeiten eingeschränkt, die Leute haben schließlich auch andere Aufgaben zu erledigen, erklärt der Chef der Verwaltung im Pressather Rathaus. "Der See bringt der Stadt keine Einnahmen, nur Kosten. Wir können nicht zusätzliche Mitarbeiter einstellen, auch nicht zur Überwachung."

Erste Bußgeldbescheide

Hier müsse sich die Stadt auf die Polizei verlassen. Lange habe die auf Ermahnungen gesetzt, inzwischen habe sie der Stadt erste Ordnungswidrigkeiten angezeigt. Die Stadt habe in den letzten Wochen die ersten Bußgeldbescheide verschickt. "Vielleicht ändert sich etwas, wenn sich herumspricht, dass es tatsächlich etwas kostet, wenn man sich nicht an die Regeln hält." Darauf setzt auch Reiner Striegl. Der Chef der Eschenbacher Polizei kennt das Problem, kann es mit seinen Leuten aber auch nicht einfach so lösen. "Wir sind ja nicht übermäßig mit Personal ausgestattet." Wenn es die Zeit erlaubt, seien seine Leute regelmäßig am Weiher. "Aber wenn es Unfälle oder Straftaten gibt, dann gehen die vor." Die Polizei könne nur versuchen, die schlimmsten Verstöße zu verhindern. Klar ist auch für Striegl, dass Apelle wenig bringen. "Vor einigen Tagen haben Beamte abends einige Leute am See ermahnt, ihr Feuer auszumachen. Als sie eine Stunde später wieder vorbeikamen, brannte es schon wieder." Hier sei die Stadt als Bußgeldstelle gefragt, "anders geht es nicht".
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