Fünf Gründe, warum der Staatsstreich gescheitert ist
Putsch ohne Chance

Ankara. Stundenlang hielt der Putschversuch in der Türkei die Welt in Atem. Teile der Streitkräfte wollten die Macht übernehmen, konnten aber die Regierung nicht stürzen. Warum?

1. Das Volk leistete Widerstand:

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat glühende Anhänger in der Türkei, die in Massen auf die Straße zogen. Seit 2002 hat seine islamisch-konservative AKP jede Wahl gewonnen. Noch wichtiger: Erdogans Kritiker lehnten den Putschversuch ebenfalls ab. Alle drei Oppositionsparteien im Parlament schlugen sich auf die Seite der Regierung. Auch die Polizei blieb der Regierung treu. Die Türken erinnern sich gut an den Putsch von 1980. Während der Militärdiktatur saßen Zehntausende im Gefängnis.

2. Das Militär war gespalten:

Wenn die Putschisten gehofft hatten, dass sich ihnen große Teile der Armee anschließen würden, ging die Rechnung nicht auf. Armeechef Hulusi Akar und andere hochrangige Militärs waren regierungstreu - ebenso die Piloten, die sich auf Befehl der Regierung in Kampfjets setzen, um von den Putschisten gekaperte Flugzeuge abzuschießen.

3. Die Putschisten konnten Erdogan nicht festsetzen:

Der Präsident war im Urlaub an der türkischen Ägäis-Küste in Marmaris. Sein Hotel wurde nach Erdogans Angaben auch bombardiert - aber erst, nachdem er abgereist war.

4. Erdogan nutzte das Internet:

Obwohl über Stunden unklar war, wo Erdogan steckte, konnte er sein Volk erreichen. Im Fernsehsender CNN Türk war er auf dem Bildschirm eines Smartphones zu sehen, das eine Moderatorin in die Kamera hielt. Per Facetime, einem Apple-Dienst für Videotelefonie, sprach er zum Land. Schnell verbreiteten sich im Netz Bilder von Zivilisten, die sich den Putschisten entgegenstellten.

5. Die Weltgemeinschaft stellte sich hinter Erdogan:

Ob Vereinte Nationen, Nato, EU, USA, Russland oder Bundesregierung, keine Stimme von Weltrang hieß den versuchten Putsch gut - bei aller Kritik an Erdogan und dessen autoritärem Führungsstil.
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