G36: Und es trifft doch

Neue Berichte zum G36 stiften neue Verwirrung: Das Gewehr hat sich in Gefechten bewährt. Soldaten können die im Labor festgestellten Präzisionsprobleme nicht bestätigen. Hat Verteidigungsministerin von der Leyen das Gewehr voreilig ausgemustert?

Die Bundeswehrsoldaten in den Auslandseinsätzen haben keine Präzisionsprobleme beim umstrittenen Sturmgewehr G36 festgestellt. Im Gegenteil: Die Waffe des Herstellers Heckler & Koch hat sich im Gefecht als besonders zuverlässig erwiesen. Das ergab eine vom Verteidigungsministerium in Auftrag gegebene Untersuchung, die damit den negativen Labortests zur Treffsicherheit aus dem Frühjahr widerspricht. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will trotzdem bei ihrer Entscheidung bleiben, 167 000 Gewehre auszumustern.

Die Ergebnisse der mündlichen und schriftlichen Befragung von 200 Soldaten wurden am Mittwoch vom Grünen-Verteidigungsexperten Winfried Nachtwei und dem früheren Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus vorgestellt. "Die einsatzerfahrenen Soldaten haben die Qualifizierung des G36 als Pannengewehr widerlegt", urteilten die beiden.

Es sei kein Soldat im Einsatz gefährdet worden. Das Standardgewehr der Bundeswehr sei als bedienungsfreundlich, leicht und kaum störanfällig gelobt worden. "Die Verlässlichkeit wurde besonders hervorgehoben", erklärte die Kommission.

Eine umfassende Laboruntersuchung hatte im Frühjahr das Gegenteil ergeben. Bei einer Erhitzung um 30 Grad sank die Trefferquote im Extremfall auf sieben Prozent.

Aus dem Ministerium hieß es, es wäre "unverantwortlich", über die Labortests hinwegzugehen. Die Entscheidung, das Gewehr ab 2019 auszumustern, wurde bekräftigt. Die Beschaffung einer neuen Waffe soll europaweit ausgeschrieben werden.

Vier vom Ministerium eingesetzte Kommissionen befassten sich mit der Aufarbeitung der G36-Affäre. Hinweise auf Korruption im Umgang mit dem Hersteller wurden nicht festgestellt. "Die Geschäftsbeziehungen zu Heckler & Koch GmbH als größtem Lieferanten von Kleinwaffen für die Bundeswehr sind in ihrer Art und Ausprägung nachvollziehbar", erklärte das Ministerium.
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