Gast der TV-Sendung "Günther Jauch" nötigt Moderator Gedenken an im Mittelmeer ertrunkene ...
Erzwungene Schweigeminute

Auf eine Initiative von "Sea Watch"-Gründer Harald Höppner (rechts) gedenken Talkshow-Gäste, Moderator Günther Jauch (Zweiter von rechts) und Publikum am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Günther Jauch" der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge. Bild: I&U TV-Produktion/dpa
Ein Studiogast der Liveshow "Günther Jauch" hat in der ARD überraschend eine Schweigeminute für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge erzwungen. Vor Millionen Zuschauern sprang Aktivist Harald Höppner in der Talksendung am Sonntagabend überraschend vom Sitz auf, als Jauch ihn gerade in der ersten Reihe interviewte.

Höppner lief auf die Bühne und wandte sich ans Publikum: "Ich möchte wirklich jetzt auch mal die Chance ergreifen, diesen Menschen ein Gedenken zu schenken; indem ich Sie bitte, eine Gedenkminute dafür einzulegen." Publikum und Talkgäste kamen der Aufforderung nach.

Verdutzter Moderator

Der überrumpelte Talkmaster blieb einen kurzen Augenblick verdutzt in der Zuschauerreihe sitzen. Während sich die Talkgäste und Zuschauer im Studio bereits zur Gedenkminute erhoben, fasste Jauch den Gast behutsam am Arm. "Ich würde trotzdem gerne, bei allem Gedenken...", setzte der Fernsehmann an und versuchte, den Gast zu unterbrechen.

Höppner blieb hartnäckig: "Man sollte in Deutschland eine Minute Zeit haben, um diesen Menschen zu gedenken." Dann stellte der Aktivist sich vor die anderen Talk-Gäste und sagte entschlossen: "Wir möchten diesen Tausend Toten, die letzte Woche vor der europäischen Außengrenze gestorben sind, gedenken."

Knapp 4,3 Millionen Menschen verfolgen die Sendung. Nach ein paar Sekunden sagte Jauch dem Gast, der auf das Zifferblatt seiner Uhr sah: "Sie müssen nicht auf die Uhr gucken." Nach 37 Sekunden brach der Moderator die Aktion ab. Höppner fügte sich. Der Mann aus Brandenburg will mit seiner Initiative "Sea Watch" Migranten auf See retten. Die Gedenkminute löste im Internet ein großes Echo aus. In Tweets fand Höppner Zuspruch für sein Engagement. "Die Schweigeminute war das Würdigste an der Sendung von Günter #Jauch an einem Tag, an dem 700 Menschen im Mittelmeer starben", teilte etwa SPD-Fraktionschef Hubertus Heil mit. In anderen Tweets hieß es anerkennend "Fernsehgeschichte" oder kritisch: "Und #Jauch bricht als erster das Schweigen."

Einsilbige Reaktion

"Herr Höppner hat eindrücklich gezeigt, wie sehr ihn das Thema mitnimmt", sagte Simone Bartsch von I&U TV-Produktion im Anschluss an die Sendung. In der Nacht zuvor, von Samstag auf Sonntag war ein voll besetztes Fischerboot vor der libyschen Küste gekentert, Mehr als 900 Menschen ertranken.
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