Gauck: Integration nötig
Gauck appelliert an internationale Gemeinschaft

Zum Abschluss seines Jordanien-Besuchs lässt sich Joachim Gauck im zweitgrößten Flüchtlingslager des Landes beim Mathematikunterricht in einer Klasse mit der Lehrerin fotografieren. Der Bundespräsident zeigte sich tief beeindruckt von der Hilfsbereitschaft in dem Königreich. Seine Botschaft an die Deutschen: Tut noch mehr für die Integration. (Foto: dpa)


Der Bundespräsident besucht das zweitgrößte Lager für Syrienflüchtlinge in Jordanien. Er ist beeindruckt von der Hilfe. Doch Joachim Gauck ist überzeugt: Auf Dauer hilft nur Integration.

Asrak/Istanbul. Gauck rief zu mehr internationalem Engagement gegen das Elend der Flüchtlinge aus Syrien auf. "Die Völkergemeinschaft muss sich schon überlegen, ob sie es dulden will, wenn Ernährungsprogramme runtergefahren werden müssen. Das geht so nicht", sagte Gauck am Dienstag nach einem Besuch des Flüchtlingslagers Asrak.

"Wir müssen uns bewusst machen, dass jeder Dollar, jeder Euro, den wir in Bildung und Ausbildung stecken, auch eine Art Prävention gegen die Ausweitung von Terrorismus ist." Zum Abschluss seines zweitägigen Jordanien-Besuchs hatte sich der Bundespräsident vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR über die Lebensbedingungen im Camp informieren lassen, eine Schule besucht und mit einer Familie gesprochen.

Lager sind ein Irrweg


Das vom UNHCR geführte zweitgrößte Flüchtlingscamp in Jordanien liegt rund 100 Kilometer östlich der Hauptstadt Amman in der Wüste. Ganz in der Nähe der syrischen Grenze leben hier derzeit rund 28 300 Menschen - offiziell kann das Camp bis zu 100 000 Flüchtlinge aufnehmen. Ihm sei bei dem Besuch klar geworden, "dass, wenn sich irgendeine Gesellschaft vorstellt, dass es gut sei, auf Dauer Flüchtlinge in Lagern unterzubringen, dass das ein Irrweg ist", sagte Gauck. "Es muss darum gehen, Möglichkeiten der Integration zu schaffen." Für den Übergang sei etwa der Schulunterricht in Lagern, "auch das Erlernen der landesüblichen Dinge, die man wissen muss, um weiterzukommen, okay."

Drei Monate nach dem Tod des Flüchtlingsjungen Aylan sind in der türkischen Ägäis erneut sechs Kinder, darunter ein sechs Monate altes Baby, auf dem Weg nach Griechenland ums Leben gekommen. Sie gehörten zu einer Gruppe afghanischer Flüchtlinge, deren Schlauchboot in der Nacht zu Dienstag vor der Küste von Cesme bei Izmir leckschlug, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Fünf Afghanen, darunter auch ein zwölfjähriger Junge, seien stark unterkühlt gerettet worden. Zwei Flüchtlinge würden vermisst.
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