Gauck tritt nicht mehr an
Suche nach Nachfolger beginnt

Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck verzichtet auf eine zweite Amtszeit - damit beginnt im Jahr vor der Bundestagswahl eine schwierige Kandidatensuche. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) deutete an, dass diese bis zum Herbst dauern dürfte. "Wir haben ja zwei Landtagswahlen auch noch zu bestehen", sagte sie am Montag in Berlin. Gewählt wird am 4. September in Mecklenburg-Vorpommern und am 18. September in Berlin. Die Parteichefs müssten "sicherlich intensiv miteinander reden". Gespräche würden nicht nur zwischen CDU und CSU geführt, sondern auch "darüber hinaus" mit anderen Parteien.

Gauck hatte zuvor - wie bereits seit dem Wochenende erwartet - angekündigt, er bewerbe sich 2017 aus Altersgründen nicht mehr um das Präsidentenamt. Der 76-Jährige sagte im Schloss Bellevue: "Ich möchte für eine erneute Zeitspanne von fünf Jahren nicht eine Energie und Vitalität voraussetzen, für die ich nicht garantieren kann." Ihm sei bewusst, "dass die Lebensspanne zwischen dem 77. und 82. Lebensjahr eine andere ist als die, in der ich mich jetzt befinde".

SPD-Chef Sigmar Gabriel bedauerte Gaucks Entscheidung. Es sei falsch, jetzt sofort in laute Nachfolgespekulationen zu verfallen. Auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber sicherte zu, über das weitere Vorgehen und mögliche Kandidaten werde die CDU aus Respekt vor dem Amt in Ruhe beraten. In der Bundesversammlung, die am 12. Februar 2017 den Präsidenten wählt, hat die Union mit Abstand die meisten Sitze, aber keine eigene Mehrheit. Gauck sagte, die Entscheidung gegen eine zweite Amtszeit bis 2022 sei ihm nicht leichtgefallen. Er betonte: "Unser Land hat engagierte Bürger, und es hat funktionierende Institutionen. Der Wechsel im Amt des Bundespräsidenten ist in diesem Deutschland daher kein Grund zur Sorge. Er ist vielmehr demokratische Normalität - auch in fordernden, auch in schwierigen Zeiten." Er betonte: "Bis zum Ende meiner Amtszeit werde ich meine Aufgaben mit allem Ernst, mit Hingabe und mit Freude erfüllen."

Als mögliche Nachfolger genannt werden Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), aber auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, oder Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Laut "Spiegel" wollen CDU und CSU aus taktischen Gründen kurz vor der Bundestagswahl im Herbst 2017 keinen gemeinsamen Kandidaten mit SPD oder Grünen präsentieren. Aus der Linken und der SPD wurden Forderungen nach einem rot-rot-grünen Bewerber laut.
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