Gauck verteidigt Merkel

Für Kritik an Berlin in der Griechenland-Krise sieht der Bundespräsident keinen Anlass. Stattdessen lobt er beim Staatsbesuch in Irland seine Gastgeber - und macht die Unterschiede zwischen Athen und Dublin deutlich.

Bundespräsident Joachim Gauck hat Kritik an einer angeblich zu harten Haltung Deutschlands gegenüber Griechenland zurückgewiesen. "Ich teile diese Kritik nicht", sagte Gauck während seines Staatsbesuchs in Irland. "So ein großes Land muss sich auch Überlegungen gestatten für verschiedene Lösungswege, und deshalb kann man nicht sagen, dass es irgendeine deutsche Regierung gegeben hat oder gibt, die daran interessiert ist, dass Griechenland scheitert."

Gauck sagte am Dienstag weiter, er könne nicht erkennen, dass es ein Defizit der Solidarität der Deutschen und auch der deutschen Regierungen mit Griechenland gebe. "Wir haben über viele Jahre hinweg gezeigt, dass wir ein Interesse am Zusammenhalt in Europa haben, und dass uns eine Politik des Abbröckelns an den Rändern nicht gefällt."

Deutschland habe finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt und viele Hilfsangebote gemacht, "um Strukturen in Griechenland in Gang zu bringen oder besser wirksam werden zu lassen". Der Bundespräsident fügte aber hinzu: "Da können wir auch in Zukunft noch mehr tun."

In Dublin würdigte Gauck noch einmal die irischen Reformanstrengungen. "Das größte Land der Europäischen Union sollte diesem etwas kleineren Land Respekt zollen für eine großartige Leitung der Krisenbewältigung", sagte er beim Besuch einer Niederlassung des deutschen Software-Unternehmens SAP. "Dieses Land kann uns zeigen, dass Krisen zu bewältigen sind, wenn eine Regierung klug gegensteuert." Im Vergleich zu Griechenland verfüge Irland über ganz andere staatliche Strukturen. "Wenn Sie sich hier die Institutionen anschauen und sie mit denen in Griechenland vergleichen, den vorhandenen und den nicht vorhandenen, dann sind die Voraussetzungen hier sicher besser für ein Krisenbewältigungsprogramm."

In der Stadt Galway besucht Gauck heute ein Zentrum für Menschenrechte an der Universität und erhält dort die Ehrendoktorwürde.
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