Gauland contra Boateng
Bumerang für die AfD?

Fußballfans hatten am Sonntagabend in Augsburg vor Beginn des Länderspiels Deutschland - Slowakei an ein Transparent mit der Aufschrift "Jérôme sei unser Nachbar" angebracht. Bilder: dpa
 
AfD-Vize Alexander Gauland (links) hat für seine Bemerkungen über den Fußballnationalspieler Jérôme Boateng (rechts) massive Kritik geerntet.

Fremdenfeindliche Sprüche aus der AfD sind nichts Neues. Jetzt verunglimpft AfD-Vize Gauland den schwarzen Nationalspieler Boateng, den niemand als Nachbarn haben wolle. Kurz vor der EM könnte die Schmähung des DFB-Stars für die Rechtspopulisten zum Bumerang werden.

Berlin. Es sind nur ein paar Stunden, bis die AfD-Führung auf ihre altbewährte Masche zurückgreift. Als im Netz unter dem Schlagwort "Nachbar" die Empörung über AfD-Vize Alexander Gauland zum Shitstorm anschwillt, meldet sich Frauke Petry zum ersten Mal an diesem Sonntag zu Wort. Um 10.04 Uhr twittert die AfD-Chefin: "Jérôme Boateng ist ein Klasse-Fußballer und zu Recht Teil der deutschen Nationalmannschaft. Ich freue mich auf die EM."

"Typisches Muster"


So läuft das bei den Rechtspopulisten seit Ausbruch der Flüchtlingskrise oft. Einer von ihnen provoziert mit schrägen oder fremdenfeindlichen Ansichten, schon meldet sich die Parteispitze vermeintlich beschwichtigend zu Wort. "Typisches Muster AfD: beleidigen, provozieren - später dann relativieren", meint CDU-Vize Julia Klöckner dazu. Auch der SPD-Politiker Ralf Stegner erkennt dahinter eine Strategie: "Goldene Rechtspopulistenregel: Provokation, Debatte, Rückzug, 'War nicht so gemeint'."

Gauland (75), Jurist, Publizist, jahrzehntelang in der CDU, scheint ein gutes Beispiel dafür abzugeben. In einer Erklärung teilte er später mit, er habe in einem vertraulichen Hintergrundgespräch mit Redakteuren der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") die Einstellung "mancher Menschen" beschrieben, aber sich "an keiner Stelle über Herrn Boateng" geäußert. Soll nun wieder die "Lügen-, Pinnocchio- oder Systempresse" Schuld haben, wie Rechtspopulisten wahlweise die Medien attackieren? So lief es auch ab, als Petry in einem Interview einen Schusswaffengebrauch als letztes Mittel gegen Flüchtlinge bei unerlaubtem Grenzübertritt guthieß, dann aber dem "Mannheimer Morgen" eine verkürzte und "völlig sinnentstellte" Fassung des Interviews unterstellte.

In Petrys Sinne


Die "FAS"-Redakteure können nach eigenen Angaben Gaulands Sätze belegen. Spannend zu beobachten ist dann, wie AfD-Chefin Petry parallel eine andere Version erzählt und ihrem Vize in den Rücken fällt: "Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist", sagt Petry der "Bild"-Zeitung. Der in der AfD-Spitze umstrittenen Frontfrau dürfte es gelegen kommen, dass die graue Eminenz der Partei nun rechtsaußen im Abseits steht. Petry war zuletzt in der AfD für ihr Treffen mit dem Zentralrat der Muslime angegangen worden - auch von Gauland.

Im Internet ist Gaulands Ausfall gegen Boateng Topthema. Sein Schalker Nationalmannschaftskollege Benedikt Höwedes twitterte: "Wenn du für Deutschland Titel gewinnen willst, brauchst du Nachbarn wie ihn." Und der frühere Bundesliga-Profi Hans Sarpei meint: "Jerome Boateng hat bisher 57x für die Nationalmannschaft gespielt. Damit hat er 57x mehr für Deutschland getan als die AFD."
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