Gedenken an Klaus-Peter Beer
Appell: "Nie wieder wegsehen"

Zum Gedenken an Klaus-Peter Beer, der vor 20 Jahren sterben musste, weil seine Homosexualität nicht ins Weltbild von zwei Neonazis passte, warfen die Teilnehmer der Kundgebung Rosen von der Krambrücke in die Vils. Die beiden Skinheads hatten in der Nacht zum 7. September 1995 den Mann brutal zusammengeschlagen und den Sterbenden bei der Vilsbrücke unweit des Englischen Gartens in den Fluss geschmissen. Dort ertrank der damals 48-jährige Busfahrer aus Frankfurt, seine Leiche wurde Tage später am Netzersteg a
Amberg. (san) Klaus-Peter Beer starb in der Nacht zum 7. September 1995. Zwei Neonazis hatten ihn zusammengeschlagen und in die Vils geworfen. Jetzt, 20 Jahre nach dem gewaltsamen Tod des homosexuellen Busfahrers, setzten Menschen ein eindrucksvolles Zeichen.

Klaus-Peter Beer wurde getötet, weil seine Homosexualität den Männern, die der rechten Szene in Amberg angehörten, ein Dorn im Auge war. Die Skinheads hätten sich angemaßt, "einen Menschen hinzurichten, allein, weil er sexuell nicht so empfand wie sie", sagte im April 1998 Günter Müller, Vorsitzender Richter der Großen Strafkammer am Landgericht, als er das Urteil gegen die beiden wegen Totschlags begründete. Angesichts eines Verschlechterungsverbots durften die in erster Instanz verhängten Haftstrafen (zwölf und acht Jahre, wegen Körperverletzung mit Todesfolge) nicht erhöht werden.

Gegen Hass und Gewalt

Zum 20. Todestag von Klaus-Peter Beer haben die Jusos zusammen mit den Jugendvertretungen von Verdi und IG Metall eine Kundgebung organisiert. Auf dem Marktplatz setzten sie am Dienstagabend ein Zeichen gegen Rechts, gegen Fremdenhass und neonazistische Gewalt, mahnten Toleranz und gesellschaftliche Vielfalt an. Stefan Dietl, stellvertretender Vorsitzender des Verdi-Bezirks Oberpfalz, blickte zurück auf die Zeit, als Klaus-Peter Beer sterben musste. Damals habe der rechte Terror in ganz Deutschland um sich gegriffen. Dietl erwähnte Orte wie Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda und Mölln, wo Neonazis Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verübten, ging aber auch auf rechtsradikale Übergriffe in der Oberpfalz ein. 1988 hatte ein 19-Jähriger in Schwandorf ein von Türken bewohntes Haus angezündet: Vier Menschen starben.

In dem Jahr, in dem Klaus-Peter Beer umgebracht wurde, zogen laut Dietl Neonazis mit "Sieg heil"-Rufen durch die Innenstadt, sangen SS-Hymnen und schossen mit Pistolen in die Luft. "Der Mord an Klaus-Peter Beer war also kein singuläres Ereignis, keine Zufallstat in der ansonsten friedlichen und von Rassismus und Neonazismus freien Stadt."

Jahrelanges Schweigen

Der Umgang mit dem grausamen Tod Beers sei der Stadt Amberg und der Stadtgesellschaft schwer gefallen, fuhr Dietl fort. "Richtigerweise müsste man sagen, ein Umgang fand lange Zeit nicht statt." Jahrelang sei darüber der Mantel des Schweigens gebreitet worden. Unter dem Motto "Nicht wegsehen, nicht vergessen" waren nach Angaben des Redners acht Jahre nach der Tat junge Antifaschisten auf die Straße gegangen, um nicht nur ein Ende des Schweigens und ein Anbringen einer Gedenktafel für Beer zu fordern, "sondern auch ein Ende des Ignorierens von rechten Gewalttaten und dem Erstarken der rechten Szene durch Behörden und Polizei". Laut Dietl war Amberg zu Beginn der 2000er Jahre ein wichtiges Zentrum der süddeutschen Rechtsrockszene.

Vor rechter Gefahr gewarnt

Eine vor einigen Jahren am Vilssteg (wo Beer von den Neonazis misshandelt und in den Fluss geworfen worden war) angebrachte Gedenktafel sei "vermutlich von Nazis gewaltsam entfernt" worden. Mit Bürgermeisterin Brigitte Netta nehme nun zum ersten Mal eine Vertreterin der Stadt am Gedenken an Klaus-Peter Beer teil. Gerade in diesen Tagen sei es wichtig, an die Opfer neonazistischer Gewalt zu erinnern - an Tagen, an denen wieder Flüchtlingsunterkünfte brennen, Neonazis gegen Ausländer hetzen. Nie wieder wegsehen, nie wieder vergessen: "Wir werden alles tun, damit nie wieder in dieser Stadt oder anderswo ein Mensch sein Leben verliert, weil er nicht in das faschistische Weltbild seiner Mörder passt", sagte Stefan Dietl am Ende seiner Rede.

Jonas Lay, stellvertretender Kreisvorsitzende der Jusos, warnte ebenfalls vor der rechten Gefahr: "Im Jahr 2015, 70 Jahre nach Auschwitz, ist es nicht akzeptabel, dass rechte Gewalt auf unseren Straßen existiert", betonte er.
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