Gedenken zum 75. Jahrestag des Überfalls von Hitler-Deutschland auf Russland
Warnung vor Entfremdung

Der russische Präsident Wladimir Putin legt Blumen zu Ehren der Opfer des deutschen Überfalls auf Russland nieder. Russland hielt die Gedenkfeier zum 75. Jahrestag im Alexander-Garten in der Nähe des Kremls ab. Bild: dpa

Mit dem Überfall von Hitler-Deutschland auf die Sowjetunion nahm der Zweite Weltkrieg 1941 eine neue Wendung. Zum 75. Jahrestag gibt es immer wieder die Mahnung "Nie wieder!". Deutschland und Russland vereinbaren ein neues Projekt.

Berlin/Moskau/Kiew. Mit Gedenkveranstaltungen über die Grenzen hinweg ist am Mittwoch an den Überfall von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion vor 75 Jahren erinnert worden. "Kein Land hat im Zweiten Weltkrieg so große Opfer gebracht wie die Sowjetunion: Fast 27 Millionen Menschen verloren ihr Leben", erklärte Bundespräsident Joachim Gauck. Beim Vormarsch der Roten Armee und später im sowjetischen Machtbereich habe es neues Unrecht gegeben. Dies ändere aber nichts am "großen, unersetzlichen und unvergesslichen Anteil" der Völker der Sowjetunion am Sieg über den Nationalsozialismus. Zugleich nutzte Gauck den Jahrestag zur Mahnung an die heutige Politik: "Frieden ist nicht selbstverständlich."

Warnung vor Entfremdung


In Russland stellten viele Bürger zur Stunde des Überfalls um 3 Uhr morgens (MESZ) eine brennende Kerze ins Fenster. Präsident Wladimir Putin legte am Grabmal des unbekannten Soldaten einen Kranz nieder. Darüber hinaus vereinbarten Deutschland und Russland den Aufbau einer Datenbank, um die Schicksale von Kriegsgefangenen noch zu klären. Auch die Ukraine und Weißrussland, die damals von der Wehrmacht ebenfalls überrannt wurden, gedachten der Millionen Toten. Der Bundestag erinnerte mit einer Debatte an den deutschen Angriff. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nutzte die Gelegenheit, um vor einer "Entfremdung" zu Russland zu warnen. Für Russland und für Europa könne es eine "dauerhafte Sicherheit" nur mit- und nicht gegeneinander geben. Der CDU-Politiker Jürgen Hardt warf Steinmeier vor, sein auf die Nato gemünzter Begriff vom "Säbelrasseln" sei "völlig unsensibel" gewesen. Die Grünen forderten die offizielle Anerkennung der sowjetischen Kriegsgefangenen als Opfer des NS-Regimes. Der ehemalige Linke-Fraktionschef Gregor Gysi kritisierte, dass im Bundestag zum 75. Jahrestag des Überfalls keine Gedenkstunde vereinbart wurde. Zugleich forderte er Bundespräsident Joachim Gauck auf, selbst nach Russland zu fahren.
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