Gefühle und Erwartungen nach dem Sieg von Donald Trump
Zwischen Schock und Chance

Die US-Bürger haben Donald Trump zum Präsidenten gewählt. Der Rest der Welt versucht, sich auf die neue Realität einzustellen. Putin, Orban und Boris Johnson fällt das leichter als vielen deutschen Politikern.

Berlin. Die ganze Welt hat mitgefiebert. Jetzt steht fest: Neuer US-Präsident wird Donald Trump. Im Folgenden ein Überblick über die Gefühle und Erwartungen, die sein Wahlsieg ausgelöst hat:

Deutschland: Im politischen Berlin herrscht nach der US-Wahl Katerstimmung - ähnlich wie im Sommer nach der Brexit-Abstimmung. Das was Politiker der Bundestagsparteien zum Sieg von Trump sagen, lässt sich unter der Überschrift "Schock und Verunsicherung" subsumieren. Nur die AfD freut sich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt Trump in einer ersten Stellungnahme eine leicht verhüllte Ermahnung zukommen. Sie sagt: "Deutschland und Amerika sind durch Werte verbunden: Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an."

Russland: In Moskau weckt Donald Trumps Sieg Hoffnungen auf eine Annäherung. Auch wenn der russische Präsident Wladimir Putin betont, "dass es kein leichter Weg wird angesichts des Verfallszustands, in dem sich die Beziehungen zwischen den USA und Russland befinden". Ein Treffen zwischen Putin und Trump ist vorerst nicht geplant.

Großbritannien: Die britischen Reaktionen sind ein weiterer Beleg dafür, wie gespalten die Brexit-Nation zur Zeit ist. Während Außenminister Boris Johnson den Sieg von Donald Trump mit großem Überschwang begrüßt, klingt Premierministerin Theresa May schon deutlich verhaltener. Sie erwartet zwar nach eigenem Bekunden, dass die USA und Großbritannien in den Bereichen Handel, Sicherheit und Verteidigung eng beieinander bleiben werden. Doch vielleicht ist da auch die Hoffnung Vater des Gedankens.

Ungarn: Der rechtsnationale Ministerpräsident Viktor Orban freut sich. Denn er sieht in Trump einen Bruder im Geiste. Orban sagt: "Seine Außenpolitik ist gut für Europa und bedeutet Leben für Ungarn." Ähnlich wie Orban will sich auch Trump gegen Flüchtlinge abschotten. Den sogenannten "Demokratie-Export" lehnen beide ab. Orban teilt mit Trump auch dessen prorussische Neigungen. Das unterscheidet Orban von anderen Potentaten in der osteuropäischen Region: die finden zwar auch Trumps Kurs in der Flüchtlingspolitik gut, sehen aber in seinen Avancen gegenüber Moskau eine Bedrohung für sich selbst.

Israel: Israels rechts-religiöse Regierung sieht Trumps Sieg als Gelegenheit, ihre Politik weiter voranzutreiben. Mehrere Politiker des rechten Lagers pochen jetzt darauf, dass die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt wird. Denn Trump hatte im Wahlkampf die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt angekündigt. Allerdings wird insgesamt eher erwartet, dass der außenpolitisch unerfahrene Trump sich kaum in den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern einmischen und auch keinen Baustopp in den israelischen Siedlungen erzwingen wird. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu nennt Trump einen "echten Freund Israels".

Iran: Präsident Hassan Ruhani hat vor der Wahl erklärt, aus iranischer Sicht gehe es ohnehin nur um eine Entscheidung zwischen "schlecht und schlechter". Trump steht dabei aus iranischer Sicht für "schlechter, weil er mit dem Iran gar nichts zu tun haben will. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif mahnt nun, trotz seiner Wahlkampfrhetorik müsse jetzt auch Trump eine realistische Haltung zu globalen und regionalen Entwicklungen einnehmen. Dazu zählt für ihn auch die Umsetzung des Wiener Atomabkommens von 2015. Für die Hardliner in Teheran ist Trumps Erfolg eine gute Nachricht. Denn mit ihm als US-Präsidenten wird es ihnen vermutlich leichter fallen, ihr altes Feindbild zu pflegen.

Mexiko: Mexiko ist schockiert über den Ausgang der Wahl. Denn mit Donald Trump zieht ein Mann ins Weiße Haus ein, der aus seiner Verachtung für Latinos nie einen Hehl gemacht hat. Im Wahlkampf verunglimpfte er Mexikaner als Drogenhändler und Vergewaltiger. An der Grenze will er eine Mauer errichten. Einen Bruch mit den USA kann sich Mexiko allerdings nicht leisten, der Nachbar ist wichtigster Handelspartner. Ex-Innenminister Eduardo Medina Mora sagt: "Wir müssen sehr vorsichtig abwägen, wie wir reagieren."
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