Gegenpol zu EU und USA: Der Kremlchef schart die Staats- und Regierungschefs von vier ...
Zar Putin bastelt an neuer Weltordnung

Der Platzanweiser: Stolz versammelt Wladimir Putin Staats- und Regierungschefs von vier Kontinenten in der Industriemetropole Ufa. Indiens Premierminister Narendra Modi (links) and Chinas Präsident Xi Jinping (rechts) sind die wichtigsten Pfeiler in Putins neuer Weltordnung. Bild: dpa
So gut aufgelegt wie in Ufa ist Kremlchef Wladimir Putin angesichts der wirtschaftlichen Probleme und der Konfrontation mit dem Westen selten zu sehen. Als er am Donnerstag mit seinen Kollegen aus den aufstrebenden Schwellenländern Brasilien, China, Indien und Südafrika (Brics) den ersten von zwei Gipfeln beendet, hat er das erste Papier in der Hand. Die Ufa-Erklärung der Brics-Staaten ist gepfeffert mit Kritik am Westen.

Die in der russischen Industrieprovinz versammelte Fünfer-Gruppe prangert nicht nur die Wirtschaftspolitik der USA und EU beim Kampf gegen Krisen wie in Griechenland als verfehlt an. Sie inszeniert sich auch als Globalisierungsgegner. Die "neoliberale Globalisierung" vernichte Jobs und die Umwelt, heißt es im Abschlussdokument des Gipfels. Aber Gastgeber Putin hat noch mehr Grund zum Lachen.

Im Gleichschritt mit China

Staats- und Regierungschefs von vier Kontinenten sind in die entlegene Millionenstadt gekommen - rund 1300 Kilometer südöstlich von Moskau. Nahtlos schließt sich bis Freitag das Treffen der Shanghaier Kooperationsorganisation (SCO) an. Bei allen Gesprächen in Ufa geht es um engere wirtschaftliche Zusammenarbeit, um eine alternative Weltordnung ohne Vorherrschaft der USA und des Dollars und um den Kampf gegen die Krisen in der Welt. So bunt wie die Themen bei Putins Gipfelmarathon ist die von Tausenden Polizisten geschützte Gästeschar, darunter viele autoritäre Staatschefs. Es ist Putins wichtigster Auftritt des politischen Jahres in Russland. In beiden Formaten - Brics und SCO - sind Russland und China die Wortführer, also er und Staatschef Xi Jinping. Doch zum SCO-Gipfel sind nicht nur die vier anderen ständigen Mitglieder gekommen, die Präsidenten der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken Tadschikistan, Usbekistan, Kirgistan und Kasachstan. Die Zeichen in Ufa stehen auf Erweiterung. Indien und Pakistan sollen schon bald neue Mitglieder werden.

Wer hier aber zu welchem Gipfel gekommen oder ob er überhaupt beim richtigen Treffen ist, scheint zweitrangig. Für Gastgeber Putin zählt vor allem, dass er als Netzwerker der Weltpolitik glänzen kann. Es sind deutlich mehr Präsidenten gekommen, als hier sein müssten - aus Weißrussland und Armenien, aus dem Iran, aus Afghanistan und aus der Mongolei.

Zu einem informellen Treffen kommen hier auch die Mitglieder der von Russland initiierten Eurasischen Wirtschaftsunion zusammen. Putin und sein wichtigster Gast Xi Jinping nutzen den Gipfelreigen, um vor allem die wirtschaftliche Verknüpfung zwischen dem postsowjetischen Raum und Asien voranzutreiben. Weil das Verhältnis zum Westen durch den Ukraine-Konflikt zerrüttet ist, wendet sich Russland immer stärker Asien zu. Das wird auch am Gipfelort klar.

EU und USA außen vor

Die EU und die USA sind in Ufa - einem wichtigen Verkehrsknoten zwischen Europa und Asien - außen vor. Keine Spur von Trennungsschmerz nach Jahren enger Partnerschaft. Im Gegenteil. Dass aus Washington mitten im Gipfelgeschehen Vorwürfe kommen, Russland sei für die USA inzwischen die größte Bedrohung, sieht Moskau nur als weitere Bestärkung für einen neuen Kurs. Es geht den Großmächten Russland und auch China um nichts weniger, als eine Alternative zur bestehenden, von den USA dominierten Weltordnung zu schaffen. Dabei warnen Experten allerdings vor der Gefahr, sich in politischen und ideologischen Fragen zu verlieren.
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