Gespanntes Warten auf Montagabend
Waffenruhe für Syrien ausgehandelt

Der UN-Beauftragte für Syrien, Staffan de Mistura (Mitte), und die Außenminister Russlands, Sergej Lawrow (links), und der USA, John Kerry (rechts). Mit rund 14 Stunden Verhandlungsdauer stellten Lawrow und Kerry einen Rekord im Vergleich zu früheren Treffen zur Syrienkrise auf. Bild: dpa

Im Syrienkrieg sind Hunderttausende Menschen gestorben, Millionen sind auf der Flucht. Vor einer neuen Waffenruhe eskalierte die Gewalt im Bürgerkriegsland am Wochenende.

Damaskus. Vor dem Beginn einer von den USA und Russland ausgehandelten Waffenruhe im Bürgerkriegsland Syrien hat eskalierende Gewalt mehr als 100 Zivilisten getötet. Kampfjets griffen Rebellengebiete in der heftig umkämpften Stadt Aleppo und der Provinzhauptstadt Idlib im Nordwesten des Landes an, berichteten Helfer und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Am Montag zum Sonnenuntergang (etwa 17.45 Uhr MESZ) sollen die Waffen in Syrien schweigen.

US-Außenminister John Kerry und der russische Chefdiplomat Sergej Lawrow hatten den in den vergangenen Wochen ausgehandelten Plan in der Nacht zum Samstag in Genf vorgestellt. Russland ist mit der syrischen Regierung verbündet, die USA unterstützen Rebellengruppen. Die Kämpfe zwischen Regierungstreuen und Rebellen sollen mit der landesweiten Feuerpause enden. Falls die Waffenruhe sieben Tage hält, wollen Washington und Moskau gemeinsam gegen die Dschihadisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und der mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundenen Fatah al-Scham (früher: Al-Nusra Front) vorgehen.

Die Waffenruhe fällt mit dem Beginn des islamischen Opferfestes zusammen. Die Übereinkunft könne ein "Wendepunkt" im syrischen Bürgerkrieg sein, sagte Kerry. Die amerikanisch-russischen Vereinbarungen würden auch die Versorgung notleidender Menschen durch Hilfsorganisationen ermöglichen - vor allem im umkämpften Aleppo. Lawrow erklärte, Moskau habe die Vereinbarung einer Waffenruhe mit der syrischen Regierung abgesprochen. Eine stabile Feuerpause könnte zur Wiederaufnahme der mehrfach gescheiterten Friedensverhandlungen führen.

Am Wochenende jedoch attackierten wieder Flugzeuge Augenzeugen zufolge unter anderem einen Markt in Idlib. Mehr als 60 Menschen seien getötet und über 90 verletzt worden. Geschäfte und Häuser gerieten in Brand. Die Märkte sind derzeit wegen der anstehenden muslimischen Feiertage gut besucht. Vor allem am Samstag hatten die Bombardements - vermutlich angesichts der anstehenden Waffenruhe - noch einmal deutlich zugenommen. Die syrische Opposition bewertete die Erfolgsaussichten der Feuerpause zurückhaltend. Verschiedene Oppositionsbündnisse äußerten am Samstag ihre Skepsis, ob sich die Regierung von Präsident Baschar al-Assad tatsächlich daran halten werde.
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